{"id":444,"date":"2019-05-03T14:42:57","date_gmt":"2019-05-03T14:42:57","guid":{"rendered":"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=444"},"modified":"2021-11-10T07:51:31","modified_gmt":"2021-11-10T07:51:31","slug":"das-massaker-auf-der-heuwiese-ein-bericht-von-paul-pfuhl","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=444","title":{"rendered":"Das Massaker auf der Heuwiese \u2013 ein Bericht von Paul Pfuhl"},"content":{"rendered":"\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Massaker an 212 Filipowaer M\u00e4nnern am 25. November 1944 auf der Hodschager Heuwiese in der N\u00e4he des Rothsalasch (Roth-Meierhof) bei Filipowa sind allein 35 Jugendliche im Alter von 16 bis 19 Jahren, unter ihnen drei Priesterstudenten, und 52 M\u00e4nner im Alter von 50-60 Jahren ums Leben gekommen. Die restlichen 125 standen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren. Unter ihnen befanden sich eine Reihe von Familienv\u00e4tern mit zehn und mehr Kindern.<br \/>Paul Pfuhl-ein Zeitzeuge berichtet:<br \/>\u201eAm Abend des 24.November 1944 war eine Abteilung Partisanen, die der \u201eKrajiska-brigada\u201c (nach anderen Quellen der \u201ePrva sremska leteca brigada\u201c) angeh\u00f6rten, im Dorf angekommen. Am 25. November, einem bedeckten, nasskalten Herbsttag, ging der Kleinrichter durch das Dorf, trommelte aus und verk\u00fcndete unter Todesandrohung: alle M\u00e4nner und Burschen von 16 bis 60 Jahren h\u00e4tten sich unverz\u00fcglich vor dem Gemeindehaus einzufinden. Es versammelten sich gegen 9 Uhr mehr als 300 Personen vor dem Gemeindehaus.<br \/>Die M\u00e4nner standen in kleinen Gruppen vor dem Gemeindehaus und mutma\u00dften, was man wohl von ihnen wolle. Gegen 10 Uhr wurden alle in den umz\u00e4unten Kirchhof beordert, wo sie sich in Viererreihen aufstellen mussten. Zwei Partisanen-Offiziere f\u00fchrten das Kommando, der eine hie\u00df Slavko und war ein Serbe, der andere ein Ungar. An einem Tisch, mit drei serbischen Schreibern, wurden sie erfasst und willk\u00fcrlich in eine gr\u00f6\u00dfere und eine kleinere Gruppe aufgeteilt. Der f\u00fcr Filipowa zust\u00e4ndige Polizeikommandant Djoko Lasic, stellte die drei Priester, Kaplan Paul Pfuhl, Pfarrer Anton Zol1itsch und Pater Friedrich Gillich, die \u00c4rzte Dr. Franz Dickmann und Dr. Johann Engert sowie den Apotheker Ludwig Vogl an das Ende der Reihe. Eine Vorgangsweise, die niemand zu deuten wusste. Auf Bitten von Messner Martin Meixner, durften die Mittagsglocken gel\u00e4utet werden. Als diese ert\u00f6nten, entbl\u00f6\u00dften die M\u00e4nner ihre H\u00e4upter, schlugen das Kreuz und beteten. Der ehemalige Friseurgehilfe und sp\u00e4tere Partisanenoffizier Slavko entschied, dass Pfarrer Anton Zollitsch, dem er fr\u00fcher als Friseur zu Diensten war, nach Hause gehen k\u00f6nne. Zollitsch erm\u00f6glichte auch die Freilassung von Kaplan Pfuhl und Pater Gillich. Die beiden \u00c4rzte und der Apotheker sowie Professor Becker aber wurden in die gro\u00dfe Gruppe eingereiht.<br \/>Die Partisanen brachten eine Tragbahre, Spaten, und montierten ein Maschinengewehr auf. Alle ahnten, dass Schlimmes bevorstand. Die Schreiber am Tisch standen auf und erkl\u00e4rten: \u201eEs sind genug!\u201c und schoben die restlichen Jugendlichen und M\u00e4nner zur kleineren Gruppe. Es begann ein grausames Spiel. Die Partisanen, fassten beliebig Nichtregistrierte, f\u00fchrten sie zu dem Tisch, lie\u00dfen sie erfassen und stie\u00dfen sie zur gr\u00f6\u00dferen Gruppe. Der Polizeikommandant Djoko aber holte sich aus der gr\u00f6\u00dferen Gruppe ihm bekannte Leute und brachte sie zur kleineren. So wechselte mancher mehrmals die Gruppe. Sie wurden, wie es sich zeigen sollte, zwischen Tod und Leben hin- und hergeschoben. Die Todesliste wurde vom \u201eSchuster-Joschi\u201c (Ortsvorsteher [Josef Held) abgezeichnet.<br \/>Die gr\u00f6\u00dfere Gruppe musste sich in Viererreihen aufstellen. Es waren, wie man sp\u00e4ter feststellte, 212 Jugendliche und M\u00e4nner. Partisanen stellten sich zwischen sie. Ein Anf\u00fchrer zu Pferde ergriff das Kommando und der traurige Zug wurde durch die Kirchengasse in Richtung Hodschag aus dem Dorf getrieben. Die entsetzten Frauen und Kinder konnten aus verh\u00e4ngten Fenstern und spaltenweit ge\u00f6ffneten T\u00fcren nur Bilder des Schreckens aufnehmen. Vom Kirchturm schlug es drei Uhr. Zeigte sich ein Ortsbewohner, schossen die Partisanen sofort mit ihren Maschinenpistolen. Bei dieser Aktion schoss sich der Kommandant selbst an, st\u00fcrzte vom Pferd und erlag nach einem Tag seinen Verletzungen. Die zur\u00fcckgebliebenen knapp einhundert M\u00e4nner wurden \u00fcber Nacht in die Kirche eingesperrt. <br \/>\u00dcber die Dinge, die sich auf dem Roth-Sallasch abspielten, konnte im Laufe der Zeit aus unterschiedlichsten Aussagen ein ungef\u00e4hres Bild entwickelt werden. Zuerst wurden die M\u00e4nner, mit dem Versprechen der Freilassung, aufgefordert, zu verraten, wer Mitglied des Schw\u00e4bisch-Deutschen Kulturbundes gewesen sei. Keiner verriet jedoch den anderen. Ein Bunjewatz versuchte den Apotheker Ludwig Vogl, weil er von dessen Unschuld \u00fcberzeugt war, zu retten. Es kam zu einer Auseinandersetzung, bei der sich viele der Wojwodiner dem Bunjewatzen anschlossen und sich weigerten, bei dem Verbrechen mitzumachen. Die Verweigerer wurden hierauf abgezogen.<br \/>Auf der .Heuwiese\u201c, vor den Flugabwehrgesch\u00fctzgruben, mussten sich die M\u00e4nner nackt ausziehen, dann wurden sie erschlagen oder erschossen. Ein unbewaffneter Helfer aus Piwnitz erz\u00e4hlte 1946 Schwester Lea: \u201eDas kann ich in meinem Leben nie vergessen. Die meisten der M\u00e4nner haben gebetet und das Kreuz gemacht, bevor sie erschossen oder erschlagen wurden. Und wenn ein Vater und Sohn dabei waren, dann hat der Vater dem Sohn ein Kreuz auf die Stirn gemacht, ehe sie erschossen wurden. Bunjewatzen berichteten Pater Friedrich Gillich, das Schreien und Beten habe erst aufgeh\u00f6rt, als der Letzte tot war. Ein ehemaliger Knecht, beim Filipowaer Bauern Gregor Eichinger, wusste, als erster sei Magister Vogl erschlagen worden. Ihm folgte auf besonders grausame Weise der Gemeindearzt Dr. Franz Dickmann. Offenbar von einem Bewohner eines Nachbarortes, dem er seinerzeit, obwohl dieser gesund war, zur Umgehung des Milit\u00e4rdienstes eine Krankschreibung verweigerte. Der aufrechte Arzt, ein Orgelvirtuose, wurde Opfer seines \u00e4rztlichen Ethos. Der Pfarrer Paul Wagner aus Palanka konnte aus einem beteiligten Stanischitscher-Serben nur die Worte herausbringen:<br \/>\u201eStrasno je bilo\u201c \u2013 \u201eEs war schrecklich.\u201c<br \/><em>Quelle: Filipowaer Heimatbrief hier Kurzfassung Nr. 64 (2004), <\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=1083\"><strong><em>-&gt; Vollfassung : Nr.2 (1963) und und Band 5 -Bild einer Donauschw. Gemeinde Seite 43-53; Franz Schreiber, Georg Wildmann \/ 1985<\/em><\/strong><\/a><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sie verloren ihre V\u00e4ter auf der Heuwiese: <\/strong><strong><em><a href=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=262\">-&gt; Dr. Anton Zollitsch<\/a><\/em>, <em><a href=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=190\">-&gt;Ludwig Vogl<\/a><\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong><em><a href=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=1743\">-&gt; Sehen Sie sich hier Portr\u00e4ts der Opfer von der Heuwiese an!<\/a><\/em><\/strong><br><\/p>\n\n\n\n<p>-&gt; <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=Ytthunf4Y6A\">Erzbischof Zollitsch &#8211; Reise in die Vergangenheit<\/a> (Film youtube)<\/p>\n\n\n\n<p>-><strong> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=qyGACpZeYEg\">Film Einweihung der Gedenkst\u00e4tte &#8222;Heuwiese&#8220; 2011 <\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p> -> Ein Dorf in der Batschka  (<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bUTRb8Dcf2A\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=bUTRb8Dcf2A<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=272\" data-wplink-edit=\"true\">Zeitzeugenberichte zum Heuwiesenmassaker<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei dem Massaker an 212 Filipowaer M\u00e4nnern am 25. 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