{"id":1127,"date":"2020-03-16T09:23:04","date_gmt":"2020-03-16T09:23:04","guid":{"rendered":"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=1127"},"modified":"2020-04-03T16:42:43","modified_gmt":"2020-04-03T16:42:43","slug":"die-geschichte-der-donauschwaben","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/?page_id=1127","title":{"rendered":"Die Geschichte der Donauschwaben"},"content":{"rendered":"\n<p>Eine Dokumentation von Georg Wildmann<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"792\" src=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-Deutsche-Siedlungsgebiete-1024x792.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1500\" srcset=\"https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-Deutsche-Siedlungsgebiete-1024x792.jpg 1024w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-Deutsche-Siedlungsgebiete-300x232.jpg 300w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-Deutsche-Siedlungsgebiete-768x594.jpg 768w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-Deutsche-Siedlungsgebiete.jpg 1415w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Vorlage Donauschw\u00e4bische Kulturstiftung M\u00fcnchen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3>Ansiedlungsgeschichte der Donauschwaben <\/h3>\n\n\n\n<p>Jene deutsche Bev\u00f6lkerungsgruppe, die sich beiderseits der mittleren Donau im pannonischen Zentralraum nach der Befreiung Ungarns von der T\u00fcrkenherrschaft im 18. Jh. aus Einwanderern der s\u00fcdwestdeutschen, aber auch b\u00f6hmischen und \u00f6sterreichischen\u00a0 Stammlandschaften entwickelte, bezeichnet die V\u00f6lkerkunde ab den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als &#8222;Donauschwaben&#8220;. Die im selben Raume lebenden slawischen und magyarischen Nachbarn hatten diese Deutschen seit ihrer Ansiedlung &#8222;Schwaben&#8220; genannt, und der damit naheliegende Sammelbegriff &#8222;Donauschwaben&#8220; erwies sich als besonders geeignet, da die Kennzeichnung &#8222;ungarl\u00e4ndische Deutsche&#8220; mit der Aufteilung Gro\u00dfungarns nach 1918 hinf\u00e4llig geworden war.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Deutsche lebten schon seit 10. und 11. Jahrhundert im Zuge der baierischen Ostkolonisation im westlichen Ungarn. Im 12. Jahrhundert riefen die ungarischen K\u00f6nige gezielt Deutsche ins Land, die sich als Karpatendeutsche (heutige Slowakei) und Siebenb\u00fcrger Sachsen (heutiges Rum\u00e4nien) in die abendl\u00e4ndische Kulturgeschichte einf\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Nach der Schlacht von Mohatsch 1526, in der die politisch wie religi\u00f6s expansiv orientierten Osmanen siegten und der ungarische K\u00f6nig sein Leben verlor, fielen die K\u00f6nigreiche Ungarn und B\u00f6hmen aufgrund der dynastischen Erbgesetze an die \u00f6sterreichischen Habsburger. Diesen oblag nun die Verteidigung des Abendlandes, in dessen Zentralraum die Christenheit sich konfessionell zu spalten begann. Nach einer rund 150 Jahre w\u00e4hrenden Herrschaft \u00fcber den Gro\u00dfteil Ungarns scheiterten die T\u00fcrken an der Belagerung Wiens und erlitten 1683 in der Schlacht am Kahlenberg jene Niederlage, die sich als eine politisch-kulturelle &#8222;Wende&#8220; f\u00fcr ganz Ostmittel- und S\u00fcdeuropa erweisen sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><br> 1686 setzte bereits die Besiedlung Ofens (Buda, Teil des heutigen Budapest) und des Ofner Berglandes durch deutsche Bauern und Handwerker ein und 1689 erlie\u00df Kaiser Leopold I. das erste Ansiedlungspatent zur Wiederbev\u00f6lkerung des Erbk\u00f6nigreichs Ungarn. Nach dem Siege Prinz Eugens bei Zenta 1997 \u00fcber die T\u00fcrken griffen diese in den Spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) nicht ein. 1716 begann unter F\u00fchrung des Prinzen Eugen, der T\u00fcrkenkrieg, der nach Eroberung von Belgrad und Temeswar 1718 mit dem Frieden von Passarowitz (Po\u017earevac) endete. Durch ihn wurde die Herrschaft der habsburgischen Kaiser \u00fcber Westungarn, das Banat, die Batschka, Syrmien und Teile Bosniens abgesichert. In der Folge forderten die ungarischen St\u00e4nde auf dem Landtag von Pressburg 1722\/23 Kaiser Karl VI. auf, &#8222;freie Personen jeder Art&#8220; in das Land zu rufen und mit entsprechenden Patenten in seinen Erblanden und im Reich zu werben.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Fortab bem\u00fchten sich die habsburgischen Herrscher Karl VI. (1711-1740), seine Tochter Maria Theresia (1740-1780) und deren Sohn Josef II. (1780-1790), das ver\u00f6dete und schwach besiedelte Land wieder zu bev\u00f6lkern und eine wirtschaftlich sich selbst erhaltende &#8222;Vormauer der Christenheit&#8220; zu errichten. Sie riefen zwischen 1722 und 1787 Kolonisten ins Land. So kamen in drei \u201eGro\u00dfen Schwabenz\u00fcgen&#8220; (1723-1726; 1763-1771; 1784-1787) und in einer Reihe kleinerer etwa 150 000 Deutsche in die n\u00f6rdlich des Plattensees gelegenen Gebiete des ungarischen Mittelgebirges, in die s\u00fcdlich des Plattensees gelegene &#8222;Schw\u00e4bische T\u00fcrkei&#8220; (Komitate Baranya, Somogy und Tolna), in das Banat, die Batschka, Syrmien, Slawonien und in das in Nordostungarn liegende Sathmar-Gebiet.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br> Die s\u00fcdliche Grenze der Kolonisation bildeten die Fl\u00fcsse Sawe und ab Belgrad in \u00f6stlicher Richtung die Donau. Die Kolonisten stammten aus dem Elsa\u00df, aus Lothringen, aus der Pfalz, aus Baden und Schwaben, zu geringeren aus Teilen aus Rheinfranken, Bayern, \u00d6sterreich und B\u00f6hmen, sporadisch auch aus dem Westph\u00e4lischen.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Von einer Tendenz zu &#8222;germanisieren&#8220; kann bei den Siedlungsaktionen \u00d6sterreichs keine Rede sein. Es waren entsprechend den Lehren des Merkantilismus und etwas sp\u00e4ter des Physiokratismus stets Gr\u00fcnde der gesamtstaatlichen Zweckm\u00e4\u00dfigkeit, der wirtschaftlichen wie der milit\u00e4rischen Staatsr\u00e4son, die zur Berufung von Bauern, Handwerkern, Beamten, Facharbeitern und Kaufleuten aus den Territorien des Reiches und der \u00f6sterreichischen Erblande f\u00fchrten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Einwanderer erwartete in der sumpfigen Tiefebene und in den Schmelzbetrieben w\u00e4hrend der Fr\u00fchphase ein hartes Arbeitsleben. Entbehrungen und\u00a0 Seuchen lie\u00dfen ganze Familien aussterben. Den neuen Bauern war aber der \u00dcbergang von der ungeordneten Feldgraswirtschaft und der Haltung halbwilder Herden zu einem effizienten Ackerbau ebenso zu danken wie den neuen B\u00fcrgern der Wiederaufbau der St\u00e4dte und die Bildung eines gewerblichen Mittelstandes.<\/p>\n\n\n\n<p>Das 19. Jh. war gekennzeichnet von einer \u00fcberaus positiven wirtschaftlichen Aufw\u00e4rtsentwicklung und biologischen Erstarkung der donauschw\u00e4bischen Dorfgemeinschaften und einer starken Tendenz des st\u00e4dtischen deutschen B\u00fcrgertums, sich vom erstarkenden Magyarentums assimilieren zu lassen. Der Magyarisierungsdruck verst\u00e4rkte sich nach der staatsrechtlichen Gleichstellung Ungarns mit der \u00f6sterr. Reichsh\u00e4lfte im &#8222;Ausgleich&#8220; 1867. Diese Umst\u00e4nde verwehrten den Donauschwaben die Heranbildung einer eigenst\u00e4ndigen geistigen F\u00fchrungsschicht und die Ausbildung eines starken politischen Bewusstseins. Erst 1906 gelang Dr. Ludwig Kremling die Gr\u00fcndung der &#8222;Ungarl\u00e4ndischen Deutschen Volkspartei&#8220; und erst ab dieser Zeit entfalteten die Heimatromane Adam M\u00fcller-Guttenbrunns ihre erweckende Kraft.  <\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl von etwa 1880 bis 1910 rund 200 000 Donauschwaben aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nach \u00dcbersee ausgewandert waren, lebten 1910 beispielsweise rund 390 000 Deutsche in 130 Gemeinden des Banates (23 Prozent der Bev\u00f6lkerung), 190 000 in 44 D\u00f6rfern der Batschka (24,5 Prozent), 150 000 in der Schw\u00e4bischen T\u00fcrkei (35 Prozent), 126 000 in Slawonien und Syrmien (11 Prozent) sowie 80 000 in Budapest (9 Prozent).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1018\" height=\"1024\" src=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-2-Wildmann-1018x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1501\" srcset=\"https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-2-Wildmann-1018x1024.jpg 1018w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-2-Wildmann-298x300.jpg 298w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-2-Wildmann-150x150.jpg 150w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-2-Wildmann-768x772.jpg 768w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-2-Wildmann.jpg 1215w\" sizes=\"(max-width: 1018px) 100vw, 1018px\" \/><figcaption>Die nach dem I. Weltkrieg im Vertrag von Trianon (4. Juni 1920) erzwungene Reduzierung Ungarns auf 30 Prozent seines Kernlandes zerteilte auch das Siedlungsgebiet der\u00a0 rund 1,5 Millionen Donauschwaben. Das Ostbanat und Sathmar fiel an Rum\u00e4nien, das Westbanat, die Batschka, das Baranya-Dreieck, Syrmien und Slawonien an das neuentstandene K\u00f6nigreich der Serben. Karte donauschw. Kulturstiftung.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3>Die Donauschwaben<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Donauschwaben stammen von jenen gro\u00dfteils aus Lothringen, der Pfalz, dem Elsa\u00df, aus Trier, Schwaben, Baden, W\u00fcrttemberg, Bayern und anderen deutschen Landstrichen, aber auch \u00f6sterreichischen (vor allem vorder\u00f6sterreichischen) und b\u00f6hmischen L\u00e4ndern angeworbenen Siedlern, die die habsburgischen Kaiser nach der Befreiung des zur Habsburger Krone geh\u00f6renden K\u00f6nigreichs Ungarn von der T\u00fcrkenherrschaft im 18. Jahrhundert im pannonischen Becken ansiedelten. Ihre Siedlungsgebiete bildeten das Banat, die Batschka, Syrmien, Slawonien, das ungarische Mittelgebirge, die &#8222;Schw\u00e4bische T\u00fcrkei&#8220; in S\u00fcdwest- sowie Sathmar in Nordostungarn. Es waren Gr\u00fcnde der gesamtstaatlichen Zweckm\u00e4\u00dfigkeit, der wirtschaftlichen wie der milit\u00e4rischen Staatsr\u00e4son, die zur Berufung von Bauern, Handwerkern, Beamten, Facharbeitern und Kaufleuten aus den Territorien des Reiches und der \u00f6sterreichischen Erblande f\u00fchrten. Ihr kolonisatorischer Einsatz z\u00e4hlt zu den gro\u00dfen europ\u00e4ischen Kulturleistungen. Es gelang ihnen, aus den einst w\u00fcsten und ver\u00f6deten Gebieten die &#8222;Kornkammer der Donaumonarchie&#8220; zu schaffen und der Wiederbelebung der ungarischen St\u00e4dte entscheidende Impulse zu geben. Nach\u00a0 Zerschlagung Donaumonarchie zu Ende des I. Weltkriegs wurde die rund 1,5 Millionen Seelen z\u00e4hlende Volksgruppe infolge der neuen Staatsgrenzen auf die &#8222;Nachfolgestaaten&#8220; Ungarn, Rum\u00e4nien und Jugoslawien aufgeteilt. Dies trug in unterschiedlicher St\u00e4rke zu ihrer Bewusstwerdung als ethnische Gruppe bei. Ab dieser Zeit b\u00fcrgerte sich f\u00fcr sie die Benennung &#8222;Donauschwaben&#8220; ein.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Der II. Weltkrieg und dessen Folgen verursachten in ihren Reihen ungeheure menschliche und materielle Verluste. Von den 500.000\u00a0Ungarndeutschen\u00a0wurden etwa 30.000 auf Forderung Stalins f\u00fcr eine bis zu f\u00fcnf Jahre dauernde Zwangsarbeit in die UdSSR deportiert. Die nationalistisch-chauvinistischen Kr\u00e4fte Ungarns, namentlich die Kommunisten und die Nationale Bauernpartei, forderten 1945 die Vertreibung ihrer deutschen Mitb\u00fcrger. Dies wurde ihnen auf der Potsdamer Konferenz der Siegerm\u00e4chte zugestanden. Fast die H\u00e4lfte der Ungarndeutschen, 220.000 an der Zahl, wurde 1946 und 1947 nach Deutschland zwangsumgesiedelt. Ihr Verm\u00f6gen wurde beschlagnahmt. Ausgew\u00e4hlt wurden vor allem die Familien der Mitglieder des Volksbundes sowie aller jener, die in deutschen Milit\u00e4rverb\u00e4nden gedient hatten. Die 200.000 \u2013 250.000 im Lande Verbliebenen wurden enteignet und erhielten erst 1950 die staatsb\u00fcrgerliche Gleichberechtigung. Der Gebrauch der deutschen Sprache war verp\u00f6nt und wird gegenw\u00e4rtig im famili\u00e4ren Alltag nicht mehr gebraucht. Die nach der &#8222;Wende&#8220; eingef\u00fchrte &#8222;Selbstverwaltung der Minderheiten&#8220; ist staatlich gelenkt, hat keine parlamentarische Vertretung und leidet unter Finanznot.\u00a0\u00a0<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die rund 330.000\u00a0Banater Schwaben in Rum\u00e4nien\u00a0geh\u00f6rten nicht zu den &#8222;Potsdamer Opfern&#8220;. Sie wurden nicht vertrieben, doch verlor die b\u00e4uerliche Bev\u00f6lkerung durch die 1945 vorgenommene Bodenreform und die damit verbundene Entprivatisierung ihre Existenzgrundlage. Auch von ihnen wurden rund 30.000 auf Jahre in die Sowjetunion verschleppt. 1951 wurde ein Bereich von 30 Kilometern entlang der Grenze zu Jugoslawien von \u201eunzuverl\u00e4ssigen Elementen\u201c ges\u00e4ubert. Sie wurden in die Baragan-Steppe \u00f6stlich von Bukarest deportiert, unter ihnen rund 30.000 Donauschwaben. Erst 1956 konnten die \u00dcberlebenden wieder zur\u00fcckkehren. Die Rum\u00e4niendeutschen waren 1949 formalrechtlich den \u00fcbrigen B\u00fcrgern gleichgestellt worden. Es begann die Periode der Integration der Deutschen in den sozialistischen Nationalstaat. Die bis 1989 drohende Zwangsassimilation zu einer sozialistischen \u201eEinheitsnation\u201c veranlasste die Donauschwaben Rum\u00e4niens die &#8222;Sp\u00e4taussiedlung&#8220; nach Deutschland anzustreben. Heute leben noch gesch\u00e4tzte 40.000 Deutsche im rum\u00e4nischen Banat, sie sind durch das zum &#8222;Demokratischen Forum der Deutschen in Rum\u00e4nien&#8220; geh\u00f6rende &#8222;Regionalforum Banat&#8220; im &#8222;Minderheitenparlament&#8220; und mit einem Abgeordneten im Parlament politisch vertreten. Mehrere Gesetze erm\u00f6glichen seit 1991 \u2013 unter meist ung\u00fcnstigen Bedingungen &#8211; die Restitution von Immobilien. Der Rum\u00e4nisch-Deutsche Partnerschaftsvertrag gestattet Deutschland eine unbegrenzte kulturelle und finanzielle Unterst\u00fctzung des deutschen Gemeinschaftslebens in Rum\u00e4nien.\u00a0\u00a0<br><\/p>\n\n\n\n<p>Von den 195.000 nichtevakuierten oder nichtgefl\u00fcchteten\u00a0Donauschwaben Jugoslawiens\u00a0wurden 8000 Frauen und 4000 M\u00e4nner 1944\/1945 in die UdSSR zur Zwangsarbeit deportiert. 2000 von ihnen gingen bis 1949 zugrunde.\u00a0 \u00dcber 7000 donauschw\u00e4bische Zivilpersonen, fast durchwegs angesehene M\u00e4nner unter 60 Jahren, wurden 1944 durch lokalen kommunistische Instanzen, durch die Staatspolizei (OZNA) und durch eigene Partisanenkommandos meist grausam get\u00f6tet. Fast alle anderen 170.000 wurden gem\u00e4\u00df dem Beschluss des &#8222;Antifaschistischen Rates der Nationalen Befreiung Jugoslawiens&#8220; = AVNOJ\u00a0 vom 21.11.1944 enteignet und entrechtet und in der Folge in Arbeits- sowie acht Konzentrationslager f\u00fcr Betagte, Kranke, Kinder sowie M\u00fctter mit (bis zu zwei Jahre alten) Kleinkindern interniert. 48.500 von ihnen sind innerhalb von drei Jahren durch Hunger, Seuchen und Erschie\u00dfungen umgekommen, w\u00e4hrend 35.000 unter Lebensgefahr aus den Lagern \u00fcber die nahen Grenzen nach Ungarn und Rum\u00e4nien entkommen konnten. Der Leidensweg der Donauschwaben Jugoslawiens forderte insgesamt mindestens 60.000 Ziviltote, d. h. fast jeder\/jede dritte der in der Heimat Verbliebenen wurde Opfer des kommunistischen Regimes.<br><\/p>\n\n\n\n<p>1948 wurden die Lager aufgel\u00f6st. Die noch rund\u00a0 80 000 \u00dcberlebenden des V\u00f6lkermords mussten dreij\u00e4hrige Arbeitsvertr\u00e4ge eingehen und konnten sich erst in den 50er Jahren unter Erlegung eines hohen &#8222;Kopfgeldes&#8220; loskaufen und nach Deutschland oder \u00d6sterreich, in der Regel v\u00f6llig mittellos, ausreisen. In der letzten gesamtjugoslawischen Volksz\u00e4hlung 1991 deklarierten sich noch 8021 Personen als Deutsche bzw. \u00d6sterreicher.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Der heutige\u00a0kroatische Staat\u00a0anerkennt seine laut Volksz\u00e4hlung 1991 2.635 Deutschen und 214 \u00d6sterreicher, von denen ein Teil in einigen Vereinen kulturell aktiv ist, als autochthone nationale Minderheit, so dass sie von den lokalen Beh\u00f6rden Unterst\u00fctzung erhalten. Die Deutschen, die durch den AVNOJ-Beschluss vom 21.11.1944 als damalige jugoslawische Staatsb\u00fcrger widerrechtlich enteignet wurden, werden in das 2002 novellierte Restitutions- und Entsch\u00e4digungsgesetz, einschlie\u00dflich ihrer gesetzlichen Erben erster Erbfolge, einbezogen, auch wenn sie keine kroatischen Staatsb\u00fcrger sind und im Ausland leben, sofern bilaterale Vertr\u00e4ge mit ihren jetzigen Heimatl\u00e4ndern dies vorsehen. Damit verliert der besagte AVNOJ-Beschluss formell einen Gro\u00dfteil seiner diskriminierenden Wirkung.\u00a0\u00a0<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die Republik\u00a0Serbien\u00a0hat 2002 der Provinz Wojwodina ein Autonomie-Statut zugebilligt. Bei der Volksz\u00e4hlung 2002 gaben in der Autonomen Provinz Vojvodina 3.873 und in der Republik Serbien 747 Personen deutsch als ihre Volkszugeh\u00f6rigkeit an. Die \u00fcberwiegend in der Wojwodina lebenden und z. T. in Vereinen zusammengeschlossenen Donauschwaben sind neuerdings auch als autochthone nationale Minderheit anerkannt. Sie streben die Aufhebung des AVNOJ-Beschlusses vom 21.11.1944 an, und fordern nebst der moralischen Rehabilitierung auch eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr das konfiszierte Eigentum.<br> Etwa 1,5 Millionen Donauschwaben leben heute zerstreut in der alten und neuen Welt, davon die Mehrzahl in Deutschland. Ihre in Bundesverb\u00e4nden zusammengefassten Landesverb\u00e4nde in Deutschland, \u00d6sterreich, den USA und Kanada sind die Tr\u00e4ger der Pflege des kulturellen und geistigen Erbes. Ihr &#8222;Weltdachverband der Donauschwaben&#8220; vertritt ihre gruppenspezifischen Interessen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3>Die Donauschwaben des vormaligen Jugoslawien 1918 &#8211; 1945<\/h3>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"856\" src=\"http:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-3-Wildmann.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1502\" srcset=\"https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-3-Wildmann.jpg 1024w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-3-Wildmann-300x251.jpg 300w, https:\/\/neckar-donau-wegekreuz.de\/wp-content\/uploads\/2020\/04\/Karte-3-Wildmann-768x642.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption> Siedlungsgebiete; Karte \u2013 Donauschw\u00e4bische Kulturstiftung <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Zerschlagung der \u00f6sterreichisch-ungarischen Monarchie 1918\/19 kamen 510.000 Donauschwaben, die in der heute zu Serbien geh\u00f6renden Wojwodina und im heutigen zu Kroatien geh\u00f6renden Slawonien lebten, in den neuerrichteten Staat der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929 Jugoslawien genannt). Zudem gerieten etwa 30.000 Alt\u00f6sterreicher aus der nunmehr von den Slowenen annektierten Untersteiermark und aus der Gottschee unter das s\u00fcdslawische Regime. Nationalromantische Impulse, Erfahrungen mit andersnationalen politischen Bewegungen und der \u00dcberfremdungsdruck zeitigten ein erwachendes Selbstbehauptungsstreben. Das f\u00fchrte 1920 zu Gr\u00fcndung des &#8222;Schw\u00e4bisch-Deutschen Kulturbundes&#8220;, dessen Devise neben &#8222;Heimat, Muttersprache, V\u00e4terglaube&#8220;\u00a0 auf &#8222;Staatstreu und volkstreu&#8220; lautete und der dennoch einem dreimaligen zeitweiligen Verbot ausgesetzt war. Bei den einigerma\u00dfen freien Wahlen zum jugoslawischen Parlament gewann die 1922 gegr\u00fcndete &#8222;Partei der Deutschen&#8220; 1923, 1925 und 1927 je acht, f\u00fcnf und sechs Mandate. Sie wurde aber wie alle anderen national orientierten Parteien 1929 bei der Errichtung der Diktatur K\u00f6nig Alexanders I. verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Minderheitenschutzbestimmungen bekamen keinen Verfassungsrang. Die w\u00e4hrend des Weltkrieges get\u00e4tigten Kriegsanleihen wurden vom Staat seinen neuen B\u00fcrgern gegen\u00fcber nicht eingel\u00f6st.\u00a0 Bei der Aufteilung des Gro\u00dfgrundbesitzes wurden die Donauschwaben \u00fcbergangen, sie bekamen bis 1940 keine deutschsprachigen Gymnasien und B\u00fcrgerschulen. Elementarschulen mit deutscher Unterrichtssprache wurden nur dann zugelassen, wenn drei\u00dfig deutsche Kinder pro Klasse vorhanden waren. Die Donauschwaben waren von der staatlichen und kommunalen Beamtenlaufbahn ausgeschlossen und konnten im beh\u00f6rdlichen Umgang ausschlie\u00dflich die serbokroatische Staatssprache benutzen. Das weitgehend vergebliche Ank\u00e4mpfen der nationalkonservativen Kulturbundf\u00fchrung und der donauschw\u00e4bischen Politiker gegen diese Diskriminierungen f\u00fchrte zum Aufkommen einer unter nationalsozialistischem Einfluss stehenden \u201eErneuerungsbewegung\u201c. Der gem\u00e4\u00dfigte Erneuerer Dr. Sepp Janko \u00fcbernahm 1939 auf Druck aus Berlin als Volksgruppenf\u00fchrer die F\u00fchrung des Kulturbundes.<br> Nach dem Putsch serbischer Gener\u00e4le im M\u00e4rz 1941 in Belgrad, der sich gegen den Beitritt Jugoslawiens zu den Achsenm\u00e4chten richtete, griffen Deutschland und seine Verb\u00fcndeten Jugoslawien an, zwangen es zur Kapitulation teilten es auf. Die Donauschwaben wurden nochmals dreigeteilt und zudem von Staats wegen verpflichtet, in den Wehrverb\u00e4nden Deutschlands und\/oder seiner Verb\u00fcndeten zu dienen. In der Folge projizierten die im jugoslawischen Raum ab Mitte 1941 auf Gehei\u00df der Kommintern unter der F\u00fchrung von Josip Broz Tito operierenden kommunistischen Partisanen ihren Hass auch auf die Donauschwaben und ihr &#8222;Antifaschistischer Rat der nationalen Befreiung Jugoslawiens&#8220; (AVNOJ) beschloss am 21. 11. 1944 in Belgrad ihre v\u00f6llige Enteignung und Entrechtung als angebliche &#8222;Volksfeinde&#8220;.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Von den 510.000 Donauschwaben, die bei Kriegsbeginn in Jugoslawien lebten, konnten Ende 1944 vor dem Einmarsch der Sowjets und der Macht\u00fcbernahme der Partisanen etwas \u00fcber die H\u00e4lfte der Zivilpersonen fl\u00fcchten bzw. evakuiert werden. Aus Syrmien und Slawonien \u00fcber 90 Prozent, aus der Batschka und dem Baranja-Dreieck rund die H\u00e4lfte und aus dem westlichen Banat nur etwa 15 Prozent. \u00dcber 90.000 befanden sich bei den Soldaten, so dass rund 195.000 Zivilpersonen unter das kommunistische Schreckensregime Titos kamen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber 8.000 Frauen zwischen 18 und 35 Jahren und \u00fcber 4.000 M\u00e4nner zwischen 16 und 45 Jahren wurden zur Jahreswende 1944\/1945 in die UdSSR zur Zwangsarbeit deportiert. 2.000 von ihnen gingen bis 1949 zugrunde.\u00a0 \u00dcber 7.000 Zivilpersonen, fast durchwegs angesehene M\u00e4nner unter 60 Jahren, wurden im sog. &#8222;Blutigen Herbst 1944&#8220; von lokalen kommunistische Instanzen, die Staatspolizei (OZNA) und eigene Partisanen-Kommandos (&#8222;Aktion Intelligenzija\u201c) meist grausam get\u00f6tet. Fast alle anderen 170.000 wurden, enteignet und entrechtet, in Arbeits- und Konzentrationslager interniert. 48.500 von ihnen sind innerhalb von drei Jahren durch Hunger, Seuchen und Erschie\u00dfungen umgekommen, w\u00e4hrend 35-40.000 unter Lebensgefahr \u00fcber die nahen Grenzen nach Ungarn und Rum\u00e4nien entkommen konnten. Ab 1946 wurden Tausende zu Waisen gewordene Kinder aus den Lagern in Kinderheime verbracht und der Slawisierung unterworfen. Viele von ihnen konnten nach 1950 durch das Internationale Rote Kreuz nicht mehr ausfindig gemacht und Anverwandten zugef\u00fchrt werden und leben heute v\u00f6llig assimiliert in einem der Nachfolgestaaten des vormaligen Jugoslawien.<br><\/p>\n\n\n\n<p>1948 wurden die Lager aufgel\u00f6st. Die noch rund\u00a0 80.000 \u00dcberlebenden des V\u00f6lkermords mussten dreij\u00e4hrige Arbeitsvertr\u00e4ge eingehen und konnten sich erst in den 50er Jahren unter Erlegung eines hohen &#8222;Kopfgeldes&#8220; von der jugoslawischen Staatsb\u00fcrgerschaft loskaufen und nach Deutschland oder \u00d6sterreich, in der Regel v\u00f6llig mittellos, ausreisen. Im heutigen Kroatien und Serbien lebten um die Jahrtausendwende jeweils noch maximal 10.000 Donauschwaben, meist solche, die Mischehen mit Andersnationalen eingegangen waren, und deren Nachkommen. Nach den j\u00fcngsten Volksz\u00e4hlungen haben sich in besagten Staaten jeweils etwa 3.000 als Deutsche bzw. Alt\u00f6sterreicher deklariert.<br> <\/p>\n\n\n\n<p>Von den 425.000 \u00dcberlebenden haben\u00a0300.000 in Deutschland, 60.000 in \u00d6sterreich, 40.000 in den USA und Kanada, der Rest in sonstigen Staaten eine neue Heimat gefunden. Sie besitzen in Deutschland, \u00d6sterreich, den USA und Kanada landsmannschaftliche Organisationen Dachorganisationen. 1954 \u00fcbernahm das Land Baden-W\u00fcrttemberg die Patenschaft \u00fcber die Donauschwaben in Deutschland. In \u00d6sterreich ist die Stadt Wels Patensstadt der Heimatvertriebenen deutscher Muttersprache\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3>Etappen der ethnischen S\u00e4uberung Jugoslawiens von seinen deutschen B\u00fcrgern <\/h3>\n\n\n\n<p><br>Nach Dr. Georg Wildmann anhand der Dokumentation &#8222;Leidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien&#8220; und des Buches: Georg Wildmann u.a., \u201dVerbrechen an den Deutschen in Jugoslawien 1944-1948\u201d \u00a0 Donauschw\u00e4bische Kulturstiftung,\u00a0 M\u00fcnchen 1998.<\/p>\n\n\n\n<p><strong> I.  Die zahlenm\u00e4\u00dfige Gr\u00f6\u00dfe<\/strong>\u00a0der Volksgruppe deutscher Muttersprache in Jugoslawien betrug zu\u00a0Beginn des II. Weltkrieges rund 540.000 Personen. 510.000 von ihnen waren Donauschwaben;\u00a0\u00a030.000 waren Alt\u00f6sterreicher: in der Hauptsache Gottscheer und Deutsch-Untersteirer (Slowenien).<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong> II.\u00a0 Evakuierung und Flucht<\/strong>.\u00a0Im Herbst 1944 begaben sich auf die Flucht oder wurden evakuiert rund 225.000. Etwa 5000 von ihnen sind nach Kriegsende wieder zur\u00fcckgekehrt. Sie wurden sofort interniert. Es fielen also zwischen Anfang Oktober 1944 und dem Kriegsende rund 200.000 Angeh\u00f6rige der deutschen Volksgruppe unter die Herrschaft der Tito-Partisanen, davon 195.000 Donauschwaben und etwa 5000 Untersteirer und 2000 Gottscheer. Rechnet man noch den gr\u00f6\u00dften Teil der 93.000 Soldaten als au\u00dferhalb Jugoslawiens befindlich (28.000 sind gefallen, vermisst oder in Gefangenschaft gestorben), dann hatten rund 300.000 der Jugoslawiendeutschen, als weit mehr als die H\u00e4lfte, zu Kriegesende, weil sie nicht heimkonnten, ihre Heimat verloren. Man kann also sagen, Jugoslawien hatte sich durch Abweisung und Abschreckung &#8211; gewisserma\u00dfen durch\u00a0Verweigerung der R\u00fcckkehr in die\u00a0Heimat\u00a0&#8211; von drei F\u00fcnfteln seiner deutschen B\u00fcrger schon zu Kriegsende ethnisch ges\u00e4ubert.<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong> III.  Etappen der aktiven ethnischen S\u00e4uberung<br>1.\u00a0Willk\u00fcrliche\u00a0Ermordungen und Erschie\u00dfungsaktionen<\/strong>. Zeitraum: Anfang Oktober 1944 bis Juni 1945, in der Hauptsache unter dem Motto: ,,Liquidierung der Volksfeinde, Faschisten und Helfer\u00a0\u00a0 des Okkupators.&#8220; Zahl der Opfer: rund 9.500.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br> <strong>2.\u00a0Formelle\u00a0Erkl\u00e4rung der Deutschen zu ,,Volksfeinden&#8220;<\/strong>,\u00a0Entzug ihrer B\u00fcrgerrechte und v\u00f6llige Enteignung von allem beweglichen und unbeweglichen Hab und Gut durch den ,,Antifaschistischen\u00a0 Rat der Volksbefreiung Jugoslawiens&#8220; (abgek. AVNOJ) &#8211; geschehen am 21. November 1944.<br>Folge:\u00a0Austreibung der Deutschen aus ihren H\u00e4usern, Internierung der Arbeitsf\u00e4higen in Arbeitslagern, Internierung der Arbeitsunf\u00e4higen in Vernichtungslagern.<br>Zeitraum:\u00a0je Wohnorten und Landschaften verschieden: zwischen Anfang Dezember 1944 und Ende August 1945.<br>Zahl\u00a0der internierten Deutschen\/Alt\u00f6sterreicher: 170.000 (davon 40.000 Kinder bis zu 14 Jahren). Von den rund 200.000 Heimatverbliebenen waren inzwischen 9.500 erschossen und 12.000 deportiert.<br> Zahl der Lageropfer:\u00a0 51.000 (48.700 Donauschwaben). Ein Viertel der in ihrer Heimat\u00a0 verbliebenen Deutschen\/Alt\u00f6sterreicher wurde in Form der Lagerinternierung ethnisch &#8222;wegges\u00e4ubert.&#8220;<br>Generelle Zeitdauer\u00a0der Lagerinternierung: Anfang Dezember 1944 bis Anfang M\u00e4rz 1948, also fast dreieinhalb Jahre.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>3. Deportation zur Zwangsarbeit in die Sowjetunion<\/strong>\u00a0(Donezbecken). Sie betraf rund 12.000 Deutsche aus dem Banat und der Batschka im besten Arbeitsalter (Frauen:17-30, M\u00e4nner:17- 45)<br>Zeitdauer:\u00a0Weihnachten 1944 bis Herbst 1949 (f\u00fcr jene, die durchhielten).<br>Zahl der Opfer:\u00a0rund 2.000 (16 %). Vor allem infolge von Dystrophie. Auch die Russland-deportation kann man als Etappe in der ethnischen S\u00e4uberung betrachten, weil die \u00fcberlebenden 10.000 nicht mehr in ihre Heimat entlassen, sondern nach Frankfurt a. d. Oder abgeschoben wurden.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong> 4.\u00a0Flucht aus den Lagern.<\/strong>\u00a0Nicht streng konsequente Verfolgung der &#8222;Schwarzen Flucht&#8220; aus den Lagern etwa ab April 1946. Mithilfe der Lagerleitungen bei der ,,Wei\u00dfen Flucht&#8220; (unter Erlegung eines Kopfgeldes an die Lagerleitung mit deren Einvernehmen arrangiert). Die ,,Wei\u00dfe Flucht&#8220; war also eine Art Abschub der Deutschen ins benachbarte Ausland und war von Sp\u00e4therbst 1946 bis Sp\u00e4therbst 1947 m\u00f6glich.<br> Zahl der Gefl\u00fcchteten: 30.000-40.000\u00a0\u00a0<br> <strong>5. Ausb\u00fcrgerung<\/strong>\u00a0nach Loskauf von der jugoslawischen Staatsb\u00fcrgerschaft und\u00a0<strong>R\u00fcckf\u00fchrung<\/strong>\u00a0deutscher Kinder aus jugoslawischen Kinderheimen. Zeitraum: 1950-1960.<br>Zahl der Sp\u00e4taussiedler, registriert in Deutschland zwischen 1950 und 1995: 90.200.<br>Zivilopfer der Jugoslawiendeutschen\u00a0(Donauschw., Untersteirer, Gottscheer):\u00a0Mindestzahl: 64.000,\u00a0davon\u00a059.000\u00a0Donauschwaben;\u00a0H\u00f6chstzahl\u00a0nach Anrechnung h\u00f6herer Dunkelziffern:\u00a066.600, davon\u00a062.300\u00a0Donauschwaben (jeder\/jede Dritte der Daheimgebliebenen verlor bis M\u00e4rz 1948 das Leben).<br>Gesamtopfer der Jugoslawiendeutschen\u00a0(Ziviltote und Soldaten):\u00a0Mindestzahl: 93.000. H\u00f6chstzahl nahe 97.000,\u00a0wenn man mit\u00a0h\u00f6heren Dunkelziffern\u00a0rechnet.<br> Gesamtopfer der Donauschwaben: Mindestzahl: 86.000\u00a0\u00a0(Ziviltote und Soldaten) = 17 % der Volkssubstanz. (70 % der Opfer sind in \u201cLeidensweg..\u201d Bd. IV namentlich erfasst und auch im Internet unter Donauschwaben.at\u00a0<\/p>\n\n\n\n<h3>Die Lagerinternierung der Donauschwaben Jugoslawiens <\/h3>\n\n\n\n<p>Da die ethnische S\u00e4uberung Jugoslawiens von den Deutschen seit\u00a0 der Konferenz des \u201eAntifaschistischer Rat der nationalen Befreiung Jugoslawiens\u201c (AVNOJ) von Jajce im Oktober 1943 beschlossene Sache war\u00a0 und, wie\u00a0 Milovan Djilas, damals enger\u00a0 Vertrauter Titos, in\u00a0 seinem Buch ,,Krieg\u00a0 der Partisanen&#8220; zu berichten wei\u00df, die verdienten serbischen Partisanenk\u00e4mpfer vor allem aus\u00a0 den\u00a0 karstigen Gebieten der Krajina\u00a0 und\u00a0 Lika\u00a0 fruchtbares\u00a0 Land\u00a0 verlangten,\u00a0 musste\u00a0 ab\u00a0 dem Enteignungsbeschluss des ,,Antifaschistischen Rates der Volksbefreiung Jugoslawiens&#8220; vom 21. November 1944 mit der Errichtung von Internierungslagern f\u00fcr die\u00a0 Deutschen begonnen werden. Diese setzte unmittelbar mit oder einige Zeit nach den Erschie\u00dfungsaktionen der ersten Wochen der neuen Herrschaft ein. Bis August 1945 waren alle deutschen Siedlungen von ihren deutschen Bewohnern ,,befreit&#8220; und die letzten Deutschen interniert, sofern sie nicht in Ehen mit Andersnationalen lebten oder zu den wenigen geh\u00f6rten, die sich in den vorausgegangenen Jahren den Partisanen angeschlossen hatten. Der organisierte Zuzug treuer, zum gr\u00f6\u00dften Teil serbischer Partisanenk\u00e4mpfer in die deutschen Orte und in die deutschen H\u00e4user der Wojwodina vollzog sich in der Hauptsache in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 1945. Das\u00a0 hatte zur Folge, dass eine gewaltigen ,,Serbisierung&#8220; dieses, sp\u00e4ter als ,,Autonome Provinz Wojwodina&#8220; weitgehend selbst\u00e4ndigen Gebietes des neuen Bundesstaates einsetzte. Diese ,,Neukolonisierung&#8220; der Wojwodina lag im Interesse der kommunistischen Ideologen. Die Neuaufteilung des konfiszierten Bodens der Deutschen &#8211;\u00a0 er\u00a0 umfasste\u00a0 in\u00a0 der\u00a0 Wojwodina\u00a0 das\u00a0 zweieinhalbfache der\u00a0 Fl\u00e4che\u00a0 Luxemburgs\u00a0 &#8211;\u00a0 erm\u00f6glichte\u00a0 n\u00e4mlich\u00a0 eine\u00a0 energische Etabilierung der vorgesehenen Kolchosenwirtschaft und diente auch einer kommunistischen ,,Durchs\u00e4uerung&#8220; der wenig kommunistenfreundlichen und daher unzuverl\u00e4ssigen slawischen und ungarischen Stammbev\u00f6lkerung der Wojwodina\u00a0 mit zuverl\u00e4ssigen parteitreuen Elementen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong> Die drei Arten von Lagern<\/strong><br> Aus den Orts- und Erlebnisberichten wird ersichtlich, dass die Milit\u00e4rverwaltung der Partisanen drei\u00a0 Arten von Lagern vorsah:\u00a0 In fast jedem der Orte mit mehr\u00a0 als 200 &#8211; 300 deutschen Bewohnern wurde die\u00a0<strong>Arbeitslage<\/strong>r\u00a0eingerichtet, um die kriegsbedingt ausst\u00e4ndigen Ernte- und die sonstigen anfallenden landwirtschaftlichen und industriellen\u00a0 Arbeiten (Einbringung der Reste der Ernte im Sp\u00e4therbst 1944, Aufbereitung\u00a0 des Rohhanfes u.\u00e4.) ausf\u00fchren\u00a0 zu lassen. Meist\u00a0 wurden hief\u00fcr\u00a0 deutsche H\u00e4user\u00a0\u00a0 ger\u00e4umt\u00a0\u00a0 und\u00a0\u00a0\u00a0 mit\u00a0\u00a0 arbeitsf\u00e4higen ortsansans\u00e4ssigen Donauschwaben, nach Geschlechtern getrennt, vollbelegt. Ein in der Regel slawischer \u00d6konom teilte die Zwangsarbeiter jeden Tag in Arbeitsgruppen ein und teilte ihnen ihre Aufgaben zu.<br> Die zweite\u00a0 Art\u00a0 von\u00a0 Lagern bildeten\u00a0 die\u00a0<strong>\u00a0&#8222;Zentralen\u00a0 Zivillager&#8220;<\/strong>\u00a0(Centralni civilni logor)\u00a0 auf Bezirksebene. In der Regel hatte ein jeder politische Bezirk (Landkreis), meist in der Bezirsstadt selbst, sein Zentrales Zivillager. Die Kennzeichnung ,,zivil&#8220; sollte diese Lager wohl von jenen der Kriegsgefangenen abheben. Als Baulichkeiten f\u00fcr die lokale Unterbringung Zentralen Zivillager\u00a0 bevorzugte man\u00a0 bestehende\u00a0 Barackenlager\u00a0 oder\u00a0\u00a0 vormalige Fabrikshallen. Von diesen\u00a0 aus\u00a0\u00a0 beschickte\u00a0\u00a0 man\u00a0\u00a0 die\u00a0\u00a0 lokalen\u00a0\u00a0 Arbeitslager, aber auch Lazarette, Flugpl\u00e4tze der Roten Armee u. \u00e4.\u00a0 mit angeforderten\u00a0 Arbeitskr\u00e4ften.\u00a0 Ab\u00a0\u00a0 Fr\u00fchjahr\u00a0 1946\u00a0 konnten\u00a0\u00a0 sich einheimische Slawen\u00a0 oder \u00a0Magyaren\u00a0 aus diesen\u00a0 Lagern\u00a0 f\u00fcr\u00a0 einen Tagesbetrag von 40\u00a0 Dinar oder\u00a0 einen Monatsbetrag\u00a0 von 1500\u00a0 Dinar Donauschwaben\u00a0 als\u00a0 Arbeitskr\u00e4fte\u00a0 ,,herauskaufen&#8220;,\u00a0 dies\u00a0 auch\u00a0 f\u00fcr l\u00e4ngere Zelt. Die\u00a0 Lagerleitung hob\u00a0 die Betr\u00e4ge\u00a0 ein, w\u00e4hrend\u00a0 der Arbeitgeber seine Zwangsarbeiter zu verk\u00f6stigen, gegenbenfalls auch f\u00fcr ihre Unterbringung zu sorgen hatte.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Die\u00a0 dritte\u00a0 Art von Lagern\u00a0 bildeten\u00a0 die\u00a0 <strong>&#8222;Lager mit Sonderstatus&#8220;<\/strong>.\u00a0Diese waren im Banat Rudolfsgnad\/Kni\u0107anin und Molidorf\/Molin, in der Batschka Jarek\/Ba\u010dki Jarak, Gakowa\/Gakovo und Kruschiwl\/Kru\u0161evlje, in Syrmien die ,,Seidenfabrik&#8220;\/Svilara in Syrmisch Mitrowitz\/Sremska Mitrovica und in Slawonien Kerndia\/Krndija und Walpowo\/Valpovo. In diesen Lagern\u00a0 wurden die\u00a0 Alten, Kranken, Kinder\u00a0 und\u00a0 M\u00fctter\u00a0 mit Kleinkindern (Kindern unter zwei Jahren) der Deutschen konzentriert. Aus der Vorgangsweise der Lagerf\u00fchrungen, der Lagerwachen und der Lagerverwalter wird ersichtlich, dass die ,,Lager mit Sonderstatus&#8220; als Vernichtungslager konzipiert waren. Das ergibt sich bei n\u00e4herer Sichtung der Erlebnisberichte der Insassen, die mit dem Leben davonkamen. Sie hie\u00dfen denn auch bald unter den Lagerleuten nur ,,Todeslager&#8220;, ,,Hungerlager\u201c. Aus der damaligen Zeit schriftlich bezeugt ist der Ausdruck ,,Vernichtungslager&#8220; schon in der Tagebucheintragung vom 9. Dezember 1945 des Lagerkaplans von Gakowa, Matthias Johler. (Siehe Band III der Dokumentation \u201eLeidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien, S. 289.)<br> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>GAKOWA (Gakovo) als Beispiel<\/strong>\u00a0<br> Mit der ersten improvisierten Unterbringung von ungef\u00e4hr 6000 aus Apatin vertriebenen Donauschwaben in den nahe der jugoslawisch-ungarischen Grenze gelegenen Nachbard\u00f6rfern Gakowa und Kruschiwl (Kru\u0161evlje) wurden am 12. M\u00e4rz 1945 die beiden gro\u00dfen Lager f\u00fcr die deutsche Bev\u00f6lkerung der westlichen Batschka errichtet. Nach der offiziellen Sprachregelung der Lagerverwaltung der Autonomen Provinz Wojwodina wurden sie als ,,Lager mit Sonderstatus&#8220; bezeichnet. Bei den betroffenen Donauschwaben hie\u00dfen sie bald nur noch \u201dTodeslager&#8220; oder ,,Vernichtungslager&#8220;. Dorthin wurden zwischen 13. M\u00e4rz und 17. Oktober 1945 die nicht arbeitsf\u00e4higen Internierten, wie \u00e4ltere und kranke Personen, Kinder, M\u00fctter mit kleinen Kindern sowie die vor\u00fcbergehend nicht zum Arbeitseinsatz verwendeten Internierten aus den Ortslagern der Bezirke Apatin, Hodschag und Sombor geschafft.\u00a0 Die Einwohnerschaft Gakowas z\u00e4hlte 1931 2692 Seelen, davon 2370 Deutsche. Ende 1945 waren in den ausger\u00e4umten deutschen H\u00e4usern sch\u00e4tzungsweise 17.000 Personen zusammengepfercht.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Todeslager Gakowa (Gakovo) in der Batschka<\/strong><br> Errichtung des Lagers zur Konzentration der nicht arbeitsf\u00e4higen Deutschen der Mittel- und Westbatschka: 12. M\u00e4rz 1945.\u00a0<br> Urspr\u00fcngliche Einwohnerschaft von Gakowa:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2.700<br> St\u00e4ndige Anzahl der Lagerinsassen:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 17.000<br> Bestandsdauer 12. M\u00e4rz 1945 bis Anfang Januar 1948 = 33 Monate<br> Todesf\u00e4lle:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 rund 8.500<br> Haupts\u00e4chliche Todesursachen:\u00a0\u00a0 \u00a0 Unterern\u00e4hrung, Typhus, Ruhr, Malaria\u00a0<br><\/p>\n\n\n\n<p>Bereits in den ersten zehn Monaten starben ca. 4500 Personen, davon die H\u00e4lfte allein in den Monaten Dezember und Januar 1945\/46. Die H\u00f6chstzahl der an einem einzigen Tag Verstorbenen wird von Kaplan Matthias Johler (Tagebucheintragungen vom 19. November 1945 und 31. Januar 1946) mit \u00fcber 60 angegeben. Nach den Z\u00e4hlungen des Johann Hebel aus Gakowa, der als Totengr\u00e4ber die Verstorbenen registrieren musste und seine Z\u00e4hlung auch nach Verbot weiterer Aufzeichnungen fortsetzte, betrug die Zahl der Sterbef\u00e4lle zu einem nicht n\u00e4her bestimmten Zeitpunkt des Jahres 1947, als eine amerikanische Kommission das Lager inspizierte, 8888. Karl Weber nimmt, gest\u00fctzt auf seine statistischen Erhebungen, ver\u00f6ffentlicht in Band IV der Reihe \u201eLeidensweg der Deutschen im kommunistischen Jugoslawien\u201c, die Mindestzahl der Donauschwaben, die in Gakowa verstarben oder gewaltsam umkamen,\u00a0 mit 8500 an.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Der Ort liegt 15 km n\u00f6rdlich von Sombor und 7 km von der n\u00f6rdlich verlaufenden Staatsgrenze, die die Wojwodina von Ungarn trennt, entfernt. Kruschiwel liegt etwa 4 km nord\u00f6stlich von Gakowa und etwas n\u00e4her zur ungarisch-jugoslawischen Grenze. Beide Vernichtungslager waren nicht mit Stacheldraht umgeben, sie mussten daher durch mehr oder weniger regelm\u00e4\u00dfig patrouillierende Bewacher-Streifen und durch Posten, die in mehr als hundert Meter Abst\u00e4nden voneinander Wache standen, von den umliegenden Ackerfeldern und Wiesen isoliert werden. Zwischen den H\u00e4usern des Dorfrandes und den ersten Feldern lag meist eine Brachezone von 50 Meter Breite. In der Nacht ergab sich aus dieser Form der Abisolierung des Lagers die M\u00f6glichkeit, zwischen den Posten durchzuschleichen. Es kam bald zu Fluchtversuchen, und je \u00e4rger die Hungerzeiten wurden, desto mehr h\u00e4uften sich die Versuche, zwischen den Posten hinauszukommen und Bettelg\u00e4nge auf die umliegenden Einzelgeh\u00f6fte (Sallasche) und in die andersnational bewohnten Ortschaften zu unternehmen. Die Lagerleitung reagierte mit Erschie\u00dfungen und bis \u00fcber eine Woche dauernden Einkerkerungen, wobei kein oder nur sehr wenig Essen zugeteilt wurde. Als Kerker dienten gr\u00f6\u00dfere Keller in der N\u00e4he der Kommandanturen. Pr\u00fcgelexzesse der Wachen, K\u00e4lte und unbeschreibliche sanit\u00e4re Verh\u00e4ltnisse machten den Kerkeraufenthalt zu physischer und psychischer Folter und f\u00fchrten bei vielen Gefangenen in den Wochen bald nach Entlassung zum Tod.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Sobald die aus ihren Heimst\u00e4tten evakuierten Donauschwaben mit Eisenbahnz\u00fcgen oder in Fu\u00dfm\u00e4rschen in Gakowa und Kruschiwl angekommen waren, wurden sie in die fast vollst\u00e4ndig leerger\u00e4umten H\u00e4user der deutschen Ortsbewohner eingewiesen. Sie lagen dann auf einer d\u00fcnnen Strohsch\u00fctte am Boden dicht beieinander und f\u00fcllten Zimmer, K\u00fcchen, Kammern und selbst die inzwischen leerstehenden Kuh- und Pferdest\u00e4lle. Donauschw\u00e4bische M\u00e4nner wurden, zw\u00f6lf an der Zahl, zu\u00a0 ,,Gassenkommandanten&#8220; bestimmt. Die hie\u00dfen bei den Lagerleuten ,,Kommesare.&#8220; Sie hatten die Befehle der Lagerkommandantur weiterzugeben und vor allem die in ihren Gassen t\u00e4glich anfallenden Todeszahlen der Kommandantur zu melden.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Eine eigentliche Lagerordnung bestand nicht, doch spielte sich ein gewisser Tagesablauf ein. Fast jeden Tag trieben die Wachen morgens die einigerma\u00dfen Geh- und Arbeitsf\u00e4higen zu einem Appell vor das Kommando. Arbeitsgruppen wurden gebildet, die einen gingen unter Bewachung auf die \u00c4cker rings um Gakowa zur Feldarbeit, andere mu\u00dften lagerinterne Arbeiten besorgen, wieder andere schoben Bauernwagen kilometerweit in die Umgebung Gakowas, um Laubstengel und anderes Brennmaterial aufzuladen und &#8211; stets ohne Pferde &#8211; in das Lager zur Lagerk\u00fcche zur\u00fcckzufahren. Zwischendurch gab es in der Anfangszeit Appelle, die der Pl\u00fcnderung der Lagerleute dienten. Kleider, Schmuck und Geld wurden ihnen einfach weggenommen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>  <strong>Grausamkeiten der Wachen<\/strong> <\/p>\n\n\n\n<p>Etwa ein Jahr lang, bis Mai 1946, herrschte nach den Indizien, die die Berichte liefern, und nach dem Eindruck der Lagerinsassen ein ausgesprochenes Vernichtungsprogramm, das durch Hunger und K\u00e4lte realisiert und durch den ungeplanten Ausbruch von Seuchen versch\u00e4rft wurde. Die Bewacher waren bis zu dieser Zeit streng und grausam, offenbar ,,Auch-Partisanen&#8220;, solche der sp\u00e4ten Stunde. Es folgten die ,,Todesmonate&#8220; November und Dezember 1945 sowie Januar, Februar und M\u00e4rz 1946. In dieser Zeit starben mehr als die H\u00e4lfte der insgesamt zu verzeichnenden mehr als 8.500 Opfer.<br> Die Flucht aus Gakowa nach Ungarn wurde bald versucht. Jedoch erst seit der ersten, wenn auch sehr begrenzten Auflockerung der Verh\u00e4ltnisse in manchen Lagern der Batschka und des Banats im Fr\u00fchjahr 1946, mit der Abl\u00f6se der grausamen Wachmannschaft und ihrer zu Exzessen neigenden Kommandeure kam es auch h\u00e4ufiger vor, dass ganzen Gruppen die Flucht \u00fcber die ungarische oder rum\u00e4nische Grenze gelang. Durch Verwandte und Bekannte, auch infolge des Mitleids und der Hilfsbereitschaft der andersnationalen Bev\u00f6lkerung konnte in den meisten F\u00e4llen den Fl\u00fcchtlingen weitergeholfen werden. Sie setzten zum allergr\u00f6\u00dften Teil ihre Flucht nach \u00d6sterreich und Deutschland fort. Vom Sp\u00e4therbst 1946 bis Sp\u00e4therbst 1947 wurde im Einvernehmen mit der Lagerleitung auch die ,,wei\u00dfe Flucht&#8220; toleriert. Sie hie\u00df so, weil sie das Gegenst\u00fcck zu der schon ab Jahresbeginn 1946 einsetzenden, von den Lagerbeh\u00f6rden verbotenen und schwer verfolgten ,,schwarzen Flucht&#8220; bildete.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Einsatz des DDT-Pulvers im M\u00e4rz 1946, das ein Ende der Ungezieferplage brachte, endeten die f\u00fcnf voraufgegangenen ,,Todesmonate.&#8220; Die Abl\u00f6sung der aus Partisanen bestehenden Wachmannschaften durch Miliz oder regul\u00e4res Milit\u00e4r um Mai-Juni 1946 trug auch zur Einschr\u00e4nkung der gr\u00f6bsten Willk\u00fcr bei, zumal da die physische Misshandlung der Internierten zu dieser Zeit offiziell verboten wurde, eine Anordnung, die mancherorts auch den Lagerinsassen mitgeteilt wurde. Es wurde deutlich, da\u00df man Mitte 1946 von der harten Ausrottungslinie abging und fortab eine sanftere Eliminierung der Deutschen zu praktizieren versuchte. Nicht nur, da\u00df die Fluchtversuche erleichtert wurden, es wurden auch die verwaisten Kinder abgeholt und in staatliche Erziehungsheime gebracht, in der Absicht, sie zu ,,Jungen Pionieren,&#8220; Vork\u00e4mpfern des Kommunismus also, heranzuziehen. Im Mai 1946 durften Au\u00dfenstehende den Lagerleuten Pakete bringen oder schicken. Mitte Januar 1948 wurden die letzten Insassen Gakowas in das Banater Vernichtungslager Rudolfsgnad transferiert. Hier geschah im M\u00e4rz 1948 die Einweisung der Lagerleute in ,,Vertragliche Arbeitsverh\u00e4ltnisse,&#8220; die f\u00fcr drei Jahre abgeschlossen werden mussten &#8211; ein erster Schritt in einen kleinen Freiheitsraum.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Maria Menrath schreibt: ,,Anfang Januar 1946 wurden im Lager Gakowa die Kinder weggenommen und ins Kinderlager \u00fcberf\u00fchrt. Am n\u00e4chsten Tag kamen zwei Partisanen in unser Nachbarhaus. Da war eine Frau, aus Sentiwan oder Miletitsch, die hatte noch einen S\u00e4ugling und zwei Kinder im Alter bis zu f\u00fcnf Jahren. Die Frau sa\u00df gerade am Boden und stillte ihr Kind, als die Partisanen eindrangen und sie fragten, weshalb sie ihre Kinder nicht hergegeben habe. Sie sagte, solange sie lebe, werde sie ihre Kinder nicht hergeben. Daraufhin ging der eine Partisan auf sie zu, sie lief mit dem S\u00e4ugling am Arm zur T\u00fcr, der Partisan schoss ihr nach und traf ihren Hinterkopf. Die Frau brach zusammen und hatte ihr Kind unter sich liegen. Ich musste dann das Kind von ihr nehmen, und es kam mit seinen Geschwistern ins Kinderlager.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Auch ausgesprochene Folterungen kamen im ersten Jahr in Gakowa vor. Anna Menrath erinnert sich: \u2026 ,,Einer Frau Marianne M\u00fcller, geborene Graditsch aus Gajdobra schlugen die Partisanen mit dem Gewehrkolben alle Zehenn\u00e4gel herunter. Sie musste Schuhe und Str\u00fcmpfe ausziehen und man band ihr die H\u00e4nde auf dem R\u00fccken zusammen. Und die Partisanen lie\u00dfen dann den Gewehrkolben immer auf die Zehenn\u00e4gel herunterfallen, wobei sie von einigen Partisanen festgehalten wurde. Frau M\u00fcller schrie furchtbar. Die Partisanen taten dies, weil Frau M\u00fcller ein seidenes Kopftuch und eine Sch\u00fcrze f\u00fcr Lebensmittel vertauscht hatte.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Was in Rudolfsgnad der ,,Bunker&#8220; war, das war in Gakowa der &#8222;Keller&#8220;. Immer wieder versuchten wir, schreibt Maria Armbruster, nach Stanischitsch zu gehen, nach Bezdan, Sombor und anderen benachbarten Orten, um Lebensmittel f\u00fcr unsere letzten guten Kleidungsst\u00fccke zu tauschen, zu betteln oder zu kaufen. Wer dabei erwischt wurde, wurde von den Partisanen schwer geschlagen und sechs bis acht Tage lang in den Keller eingesperrt. Im Keller gab es nur einmal t\u00e4glich eine Suppe zu essen. T\u00e4glich lagen sechzig bis achtzig Personen im Kellerarrest. Die Not mussten wir im Keller verrichten. J\u00fcngere M\u00e4nner waren meistens noch gefesselt, so dass andere ihnen beim Notverrichten behilflich sein mu\u00dften, schreibt Magdalena Hirtling. In den Keller wurden die Gefangenen hinuntergesto\u00dfen, durch einen Schlag mit dem Gewehrkolben von hinten. Nicht selten brachen sich die Ungl\u00fccklichen dabei Arm oder Fu\u00df.\u00a0 So erging es auch den Kindern, wie die damals 14j\u00e4hrige Eva Butzschedel, geb. Nadelstumpf zu erz\u00e4hlen wei\u00df.\u00a0\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong> Bettelg\u00e4nge<\/strong>\u00a0<br><\/p>\n\n\n\n<p>Nur ein Bruchteil der Lagerinsassen brachte es fertig, sich aus dem Lager zu schleichen und in der Umgebung zu betteln oder die letzten Habseligkeiten, oft waren es Kleidungst\u00fccke der Verstorbenen f\u00fcr Nahrungsmittel einzutauschen. Den Gipfel des Lagerelends in Gakowa stellt wohl die Zeit der Typhusepidemie dar, die im November 1945 ausbrach, ihren H\u00f6hepunkt um die Jahreswende erreichte und erst mit der Verteilung des DDT-Pulvers Anfang M\u00e4rz 1946 erlosch.<\/p>\n\n\n\n<p> Ein Tagebuchbericht Mathias Johlers wirft auf die Not jener Logoraschen, die in den f\u00fcnf \u201dTodesmonaten\u201d nicht betteln gehen konnten, ein erschreckendes Licht: \u201d13. Dezember 1945. Drei Tage liege ich nun schon in hohem Fieber. Der neue Lagerarzt, Dr. Scherer, hat schleichenden Typhus heute festgestellt. Er meint, die Krankheit w\u00fcrde vielleicht nicht so gef\u00e4hrlich werden, da ich gegen Bauchtyphus geimpft bin, aber sie k\u00f6nnte langwierig werden. Und drau\u00dfen im Lager ist die Not aufs \u00e4u\u00dferste gestiegen. Schon der vierte Tag weder Brot noch Suppe f\u00fcr etwa 12.000-13.000 Menschen. Kinder sind heute bis zu meinem Krankenbett gekommen, Brot zu betteln. Und ich habe selbst nichts rein nichts zu geben. Wie bitter war es, die hungrigen Kinder leerer H\u00e4nde zu entlassen.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem zeigten sich viele Ungarn, Slowaken und\u00a0\u00a0Bunjewatzen ersch\u00fcttert vom Leid der unschuldigen Opfer in den Lagern und bereit, Not zu lindern. So berichtet Katharina Schreiber geb. Eichinger:\u00a0\u00a0Vor allem waren es\u00a0Frauen, die sich aus dem Lager schlichen, um Bettelg\u00e4nge zu machen. Vielfach handelte es sich aber um Tauschgesch\u00e4fte. Man arbeitete, um sich ein Abendessen zu verdienen und tauschte Kleider von Verstorbenen f\u00fcr Lebensmittel. Des Nachts versuchte man wieder ins Lager einzuschleichen.<br><\/p>\n\n\n\n<p>\u201dAber nicht nur Frauen stahlen sich nachts aus dem Lager, um betteln zu gehen,&#8220; berichtet Kaplan Paul Pfuhl, ,,sondern auch\u00a0Kinder von 7 Jahren aufw\u00e4rts. Es ist kaum zu glauben, da\u00df Kinder in diesen Jahren die nat\u00fcrliche Angst vor dem Dunkel der Nacht \u00fcberwanden und es fertig brachten, gleich zwei N\u00e4chte im Freien zu verbringen. Gew\u00f6hnlich stahlen sie sich beim Dunkelwerden durch die Kette der aufgestellten Posten, verbrachten die Nacht bei irgendeiner Strohtriste und gingen bei Tagesanbruch weiter bis in die n\u00e4chsten D\u00f6rfer. Abends kamen sie dann wieder zu den Strohtristen und warteten entweder den Anbruch des n\u00e4chsten Tages ab oder schlichen sich auch gleich ins Lager hinein. Bemerken m\u00f6chte ich da, dass es Winter war, und gerade der Winter 1946 sehr streng war. Mehrere Kinder sind beim Warten, bis sie ins Lager konnten, erfroren und wurden sp\u00e4ter von den Kutschern tot aufgefunden. Wurden diese bettelnden Kinder erwischt, so nahm man auch ihnen alles weg und trieb sie durch Stockhiebe davon. Nur sp\u00e4ter hatte der Kommandant von Gakovo &#8211; Stevo hie\u00df er &#8211; menschliche Anwandlungen und lie\u00df die Kinder mit ihrem Bettel nach Hause gehen.&#8220;<br><\/p>\n\n\n\n<p>Georg Offenb\u00e4cher (1930-2005) aus Filipowa, heute: Ba\u010dki Gra\u010dac, schreibt: \u201eAuch Kindern blieb das Los erschossen zu werden nicht erspart. Als eines Tages 17 Kinder gefangen wurden, die vom Betteln nach Gakowa zur\u00fcckkehrten, f\u00fchrte man sie am n\u00e4chsten Tag zu den Massengr\u00e4ber und lie\u00df sie erbarmungslos erschie\u00dfen. Das \u00c4lteste der Kinder war 14 Jahre alt und das j\u00fcngste Kind war ein vier Jahre altes M\u00e4dchen, das von seiner Schwester zum Betteln mitgenommen worden war. Nach diesem Vorfall versuchten die Partisanen eine neue Methode. Jedesmal, wenn ein Kinde gefangen wurde, zwangen sie dieses, den Partisanen zu sagen, wer und wo seine Angeh\u00f6rige sind. Auf diese Weise wurden jetzt die Angeh\u00f6rigen der Kinder bestraft. Mein Bruder Jakob, der heute im Staate New York wohnt, war damals gerade 10 Jahre alt, als er von den Partisanen erwischt wurde. Man versuchte ihn zu zwingen, den Namen seiner Mutter zu nennen. Er jedoch verweigerte dies zu tun und wurde daraufhin an den Beinen festgebunden und in einen Brunnen hinuntergelassen, bis sein Kopf unter Wasser war. Man zog ihn dann wieder hoch. Aber immer wieder verweigerte er es, den Namen seiner Mutterpreiszugeben. Erst als er dem Tode nahe war, lie\u00df man ihn laufen. Heute noch leidet Jakob gesundheitlich durch diesen Vorfall.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kranksein und Sterben\u00a0<\/strong><br>Es gibt ungemein ersch\u00fctternde Berichte \u00fcber das Sterben in Gakowa. Der Bericht von Anna Niklos \u00fcber eine junge Mutter, der kurz nacheinander ihre drei kleinen Kinder wegsterben, der in diesem Buch zu finden ist, mag als lesenswertes Beispiel empfohlen sein.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Neben dem Hunger m\u00fcssen die epidemischen Krankheiten als weitere Hauptursache des Sterbens angesehen werden. Waren es in den Sommermonaten 1945 haupts\u00e4chlich die Ruhr, die t\u00e4glich ihre Opfer forderte, und die in normalen Zeiten in der Batschka kaum bekannte Malaria gewesen, so waren es in den \u201dTodesmonaten&#8220; Bauch- und Flecktyphus; manche Berichte sprechen auch von ,,Kopftyphus.&#8220; Hunger\u00f6deme, Wassersucht und Herzschw\u00e4che taten das ihre. Die nachfolgenden Ausz\u00fcge lassen an Anschaulichkeit nichts zu w\u00fcnschen \u00fcbrig:<br><\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;\u2026 Mit den L\u00e4usen aber kam das gro\u00dfe Elend \u00fcber Gakovo: der Typhus. Die Lagerleitung unternahm nichts dagegen, sie lie\u00df lediglich Kindern und Alten das Kopfhaar schneiden. Ich erinnere mich an einen alten, kranken Mann aus der Baranya, der im Pferdestall des Hauses untergebracht war, in dem auch ich mit meinen Angeh\u00f6rigen lebte. Er konnte nichts mehr gegen die L\u00e4use unternehmen. War ein sch\u00f6ner Tag, so schleppte er sich bis auf den Misthaufen und legte sich in die Sonne. Wenn ihn dann die Sonne beschien, wimmelte seine Decke von L\u00e4usen. Als ich an einem fr\u00fchen Morgen in den r\u00fcckw\u00e4rtigen Teil des Hinterhofes kam, lag er dort und war tot. Meine Mutter n\u00e4hte ihn in seine Decke ein, damit ihn der Leichenkarren mitnahm. Ich sah ihr zu und schauderte, als ich wahrnahm, da\u00df die L\u00e4use ganze L\u00f6cher in sein Fleisch gefressen hatten.\u201d Josef Thiel, der sp\u00e4tere Direktor des V\u00f6lkerkundemuseums in Frankfurt, in seinem Erinnerungsbericht.<br><\/p>\n\n\n\n<p>Kaplan Matthias Johler kam in den ersten Septembertagen nach Gakowa, um dem dortigen Pfarrer seelsorglich zu helfen. Die letzten Tagebucheintragungen, bevor er selbst am 10. Dezember 1945 an Typhus erkrankte &#8211; er sollte die Krankheit nach vier Wochen schweren Fiebers und zeilweiliger Bewu\u00dftlosigkeit \u00fcberleben -, lesen sich wie eine \u201dSequenz des Todes&#8220;:ovember 1945. Schon einige Tage ungesunde, na\u00dfkalte Witterung. Die Krankenzahl steigt von Tag zu Tag. Nach einer Sch\u00e4tzung des Arztes liegen nun so 2000 Kranke und Gebrechliche, die der Pflege bed\u00fcrften. Es ist keine Seltenheit, da\u00df man in H\u00e4user kommt mit zehn bis zw\u00f6lf Kranken in einem Zimmer. Dazu noch w\u00fctet Typhus unbarmherzig. Der Lager-Apotheker ist gestorben, und der Arzt liegt auch schwer krank. Mit etwas Arznei kann ich mancherorts doch die Not lindern. Hilfsmittel und Hilfskr\u00e4fte w\u00e4ren nun schon dringend notwendig. Die Not ist buchst\u00e4blich zu einem Meere geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Dezember 1945. Nun hat der Herr auch aus der Mitte meiner Angeh\u00f6rigen ein Lebensopfer angenommen: die Schw\u00e4gerin ist tot. Heute soll sie beerdigt werden. In Gedanken versunken \u00fcber das Leidensschicksal unserer Familie und \u00fcber das Lebensschicksal der kleinen Waisen Evi und Eugen ging ich zum Friedhof, um zu sehen, ob das Grab schon fertig sei. Wie ich jedoch eintrete, sehe ich vor dem weitge\u00f6ffneten Tore der Totenkammer zwei M\u00e4dchen stehen, frierend, zitternd und bitterlich weinend. Ein gutes Wort, und ich erfahre, da\u00df die Kinder ihre Mutter suchen. Eine Frage, und sie erz\u00e4hlen mir, da\u00df ein Wagen beim Hause vorgefahren sei und die Mutter aufgeladen habe. Arme Kinder, ich wei\u00df nun alles: es war der Totenwagen. ,Jetzt sind wir ganz allein,&#8216; klagte das \u00e4ltere, elfj\u00e4hrige M\u00e4dchen, nur noch ein Br\u00fcderchen mit vier Jahren liegt daheim krank.&#8216; ,Und wen tr\u00e4gst denn im Arm?&#8216; frage ich. ,Das ist auch mein Br\u00fcderchen, zehn Monate alt&#8216;, sagt sie und dr\u00fcckt es, in ein Tuch geh\u00fcllt, an die schluchzende, zitternde Brust; doch vergebens: das Kind war tot. ,Erlk\u00f6nig&#8216; von Goethe? Nein, ein Lagerkinderschicksal.<\/p>\n\n\n\n<p> 1. Dezember 1945. Schon l\u00e4nger her ist es den Tischlern verboten, S\u00e4rge f\u00fcr verstorbene Lagerleute zu zimmern. Nun d\u00fcrfen auch keine Grabkreuze mehr verfertigt werden. &#8211; Wie viele Gebote und Verbote sind im Laufe der Geschichte schon gegen das christliche Kreuz erlassen worden, und -,Stat crux, dum volvitur orbis!&#8216; &#8211; Bis jetzt steht doch noch auf jedem Grab ein Kreuz. Und die einfachen Lattenkreuze sind unter diesen Umst\u00e4nden wohl beredtere Zeugen der gl\u00e4ubigen Volksseele als die marmornen Monumente von fr\u00fcher.<\/p>\n\n\n\n<p> 3. Dezember 1945. In Sachen der Friedhofsarbeiter habe ich beim Intendanten des Lagers interveniert. Um eine kleine Verbesserung der Kost habe ich angesucht. Als ich auf die t\u00e4glich zunehmende Sterbeziffer hindeutete, bekam ich ein sarkastisches ,Hvala Boga&#8216; (Gott sei Dank) zur\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p> 6. Dezember 1945. Gestern waren es zehn Dekagramm Brot pro Person, heute gab es \u00fcberhaupt kein Brot. Auch keine Suppe, nur einen Batzen Kukuruzschrot, ein wahres Schweinefutter. Dabei verbreitet sich Flecktyphus mit unheimlicher Schnelligkeit. &#8211; Die Benennung ,Vernichtungslager&#8216; wird allem Anscheine nach realisiert. &#8211; Soeben erfahre ich, da\u00df unser Arzt Dr. Brandt, an Flecktyphus gestorben sei. Mir ist es auch bis jetzt noch nicht gelungen, eine Schutzimpfung zu bekommen.&#8220;<br> Nach Magdalena Hirtling sind auch elf Partisanen der Typhusepidemie erlegen. Es wundert, nicht, da\u00df es auch zu Verzweiflungstaten kam. Barbara Beiler aus Apatin gibt an, da\u00df ihr nahezu 50 Selbstmordf\u00e4lle bekannt sind. So konnte eine Mutter die Qualen, die der Hunger ihren 1944 geborenen Zwillingst\u00f6chter bereitete, nicht mehr ertragen, erw\u00fcrgte sie und erh\u00e4ngte sich. Auch st\u00fcrzten sich Frauen mit\u00a0 ihren Kindern in die offenen Ziehbrunnen, die es in nahezu allen Bauernh\u00e4usern gab.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0<br> <strong>K\u00e4lte<\/strong><br> Zum dritten Mittel, das Sterben zu beschleunigen, wurde die winterliche K\u00e4lte. Im Januar und Februar 1946, als in den meisten H\u00e4usern die H\u00e4lfte der dort Zusammengepferchten krank war, kam die Lagerleitung auf den Gedanken, eine gro\u00dfe Sortierung und Umgruppierung der Insassen vorzunehmen, und dies ausgerechnet an drei Tagen, an denen der heftigste Schneesturm des Winters herrschte &#8211; die Berichte gleichen einer Horrorvision. \u201dDie Umgruppierung des Lagers hat begonnen&#8220;, schreibt Mathias Johler am 15. Januar 1946 in sein Tagebuch, ,,in eine Gasse m\u00fcssen die Arbeitsf\u00e4higen; in die andere die Arbeitsunf\u00e4higen, die Alten und Kranken: in die dritte alle M\u00fctter mit Kindern unter vier Jahren; und wieder in eine andere alle Kinder von 4-14 Jahren.&#8220; J. W. aus Miletitsch berichtet: \u201dSchnee, Sturm, gro\u00dfe K\u00e4lte. Die Leute laufen und stehen auf den Gassen mit ihrem Gep\u00e4ck und suchen Wohnung. Die Kinder weinen, die Alten brechen zusammen, und wenn sie nicht gehen k\u00f6nnen, schie\u00dft der Partisane sie nieder, oder wenn er barmherzig ist, kommen sie mit Pr\u00fcgel durch. Dies dauert volle drei Tage an. Es kommen wieder frische Lagerleute aus Stanischitz, Hodschag, Miletitsch, Karawukowo usw. und suchen auch Quartier, und die alten haben noch keinen Platz. Die Partisanen aber nutzen diese Gelegenheit aus und pl\u00fcndern wie noch nie.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><br> Eva Schmidt, geb. Kn\u00f6bl, aus Filipowa best\u00e4tigt die fatalen Folgen der Umgruppierung im Schneesturm: ,, \u2026 Die Leute wurden einfach auf die Stra\u00dfe getrieben, und manche mu\u00dften den ganzen Tag in dem Schneetreiben verbringen, die H\u00e4lfte von ihnen war dazu noch an Typhus erkrankt. Viele Kranke wurden mit dem Schubkarren in dem Schneesturm herumgeschoben. Man hatte den Eindruck, da\u00df das alles absichtlich befohlen wurde, um das Sterben zu beschleunigen. Das Massensterben blieb nach diesen Tagen nicht aus. Mit der Kutsche wurden die Toten von Haus zu Haus gesammelt und wie Holzscheite auf den Karren geschmissen. Die Toten, die nicht an die Reihe kamen, schob man mit den Schubkarren in den Friedhof.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Dieser ,Leichentransport&#8216; wurde auf der Gasse etwas ganz Selbstverst\u00e4ndliches. M\u00fctter schoben ihre toten Kinder hinaus, Kinder ihre toten M\u00fctter, oft konnte man sehen, wie sich Kinder mit dem Karren, auf dem sie die tote Mutter liegen hatten, abplagten, um in dem Schnee weiterzukommen. Manche Leichen waren in einem St\u00fcck Leinwand eingen\u00e4ht, vielen aber wurden nur Gesicht und Lenden verh\u00fcllt, weil nichts mehr da war, um den ganzen K\u00f6rper zu bedecken. Im Friedhof wurden die Toten wie Holzscheite in den Massengr\u00e4bern aufgeschichtet. Der Priester konnte nur mehr eine Masseneinsegnung vornehmen. In dieser Zeit war es auch nicht mehr gestattet, mit der Leiche mitzugehen.\u201d\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br><strong> Wegzehrung, Begr\u00e4bnis, Totenzahlen\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br> anf\u00e4nglich, etwas bis zum Ausbruch der Epidemien im November 1945 starben f\u00fcnf, zehn bis 15 Personen t\u00e4glich. In den nachfolgenden f\u00fcnf ,,Todesmonaten&#8220; steigerte sich die Zahl der t\u00e4glich Sterbenden auf 40 bis 50, an zwei Tage vermerkt Kaplans Johlers Tagebuch\u00a0 \u00fcber sechzig Tote.<br> Als Kaplan Johler an Typhus schwerkrank darniederlag, kam aus Filipowa Kaplan Paul Pfuhl nach Gakowa. Es war der 24. Dezember 1945. Pfuhls pastorales Wirken in den \u201dTodesmonaten&#8220; hatte vier Schwerpunkte: Morgens Me\u00dffeier, tags\u00fcber rund 50 Versehg\u00e4nge, ungez\u00e4hlte Krankenbesuche und gegen Abend eine unauff\u00e4llige Einsegnung der f\u00fcnfzig bis sechzig Toten an den Einzel- und Massengr\u00e4bern.<br> Er erz\u00e4hlt in seiner anschaulichen Art: Anf\u00e4nglich schoben die Angeh\u00f6rigen ihre Toten mit Schubkarren auf den Friedhof. \u201dDann fuhren Pferdewagen durch das Dorf. Darauf wurden die Toten gelegt, oftmals in mehreren Schichten, wie man ehemals die Garben zusammenfuhr. Vor dem Friedhof wurden sie auf gro\u00dfe Haufen aufgestapelt und mu\u00dften dort bleiben, bis sie von den Totengr\u00e4bern in die Massengr\u00e4ber gebracht und mit Erde zugedeckt wurden. Schon lange war im Friedhof kein Platz mehr. Darum fing man an, hinter dem Friedhof Massengr\u00e4ber auszuheben. Dahinein wurden die Toten gelegt, einer dicht neben dem anderen. War eine Schicht voll, wurde etwas Grund darauf gesch\u00fcttet und es kam eine neue Schicht. So gibt es Massengr\u00e4ber, in denen bis weit \u00fcber 300 Leichen in mehreren Schichten begraben liegen. Nur wer Geld bezahlen konnte oder Lebensmittel den Totengr\u00e4bern, die aus den Lagerleuten geholt wurden, geben konnte, bekam ein Einzelgrab. Die Totengr\u00e4ber waren praktisch ohne Aufsicht, denn nur selten kam ein Beamter oder Partisane auf den Friedhof.\u201d\u00a0\u00a0 Soweit Pfuhl.<br> Pfuhl kam am 24. Dezember 1945 nach Gakowa. Er quartierte sich bei seinen beiden kranken Amtsbr\u00fcder ein (Pfarrer Dopler starb 54j\u00e4hrig Anfang Januar 1946 an Flecktyphus):<\/p>\n\n\n\n<p><br> ,,Meine erste Begegnung mit dem Jammer und Elend des Lagers hatte ich am anderen Tag, an Weihnachten, in der Kirche. Bei allen drei hl. Messen war die Kirche voll, viele gingen zu den Sakramenten. Bei den kurzen Ansprachen sah ich in von Hunger ausgemergelte Gesichter, Tr\u00e4nen flossen aus den von Hunger und Krankheit hervorstechenden Augen. Aber auch diese Menschen sangen die trauten hoffnungsfrohen Weihnachtslieder und suchten Trost darin.<br> Am Nachmittag ging ich zu den Kranken. Aus den H\u00e4usern waren die M\u00f6bel fortgeschafft worden, in die einzelnen Zimmer wurde ein wenig Stroh gebracht, darauf hatten sich die Leute ihr Lager gemacht. Oft waren in einzelnen Zimmern \u00fcber 20 Menschen untergebracht, auf einem Raum von ungef\u00e4hr 15-25 qm. \u2026.<br> Das Bild, das ich in den einzelnen H\u00e4usern erlebte, war ersch\u00fctternd. \u00dcberall lagen Kranke, von hohem Fieber gepeinigt. Zumeist waren es Typhuskranke und vom Hunger geschw\u00e4chte Menschen. Der Typhus bewirkte, da\u00df viele schwer h\u00f6rten. So konnten die Leute keine vollst\u00e4ndige Beichte ablegen, und ich mu\u00dfte mich begn\u00fcgen, mit ihnen Reue zu erwecken und ihnen dann die Lossprechung zu geben \u2026\u2026 Am Tage des hl. Stephanus habe ich ungef\u00e4hr 60 Kranke versehen. Beinahe den ganzen Tag war ich unterwegs. Wieviele Kranke aber nicht versehen werden konnten und so gestorben sind, wer k\u00f6nnte dies feststellen?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><br> Noch am selben Tag hat der neuangekomme Geistliche ein ersch\u00fctterndes Erlebnis:\u00a0 ,,Am Nachmittag dieses Tages war ich Zeuge, wie ungef\u00e4hr 10-12 M\u00e4nner und Frauen aus der Baranja auf dem Friedhof erschossen wurden. Diese waren aus dem Lager gefl\u00fcchtet, um \u00fcber die nahe Grenze nach Ungarn zu fliehen. Es war ihnen gelungen, ungesehen durch die Kette der Posten zu kommen, die am Rande des Dorfes aufgestellt waren, um zu verhindern, da\u00df jemand das Lager verlasse. An der Grenze aber wurden sie erwischt und dann ins Lager zur\u00fcckgetrieben. Dort wurden sie in den Keller gesperrt, wo schon eine ziemlich gro\u00dfe Anzahl anderer Lagerinsassen hineingeworfen war. Am Nachmittag gegen 2 Uhr wurden sie herausgerufen &#8211; eine Frau, die nicht zu ihnen geh\u00f6rte, glaubte wohl, da\u00df man sie freilassen werde, und gesellte sich zu ihnen &#8211; und es wurde ihnen mitgeteilt, da\u00df sie erschossen w\u00fcrden. Gleich wurden sie dann auf den Friedhof gef\u00fchrt. Ich war gerade im Friedhof, um dort die Gr\u00e4ber der an diesem und den vorhergegangenen Tagen Begrabenen einzusegnen, als die Gruppe dieser M\u00e4nner und Frauen &#8211; auch jene obengenannte Frau war darunter &#8211; vorbeigef\u00fchrt wurde. Einem Mann hatte man ein gro\u00dfes Schild auf die Brust geheftet, darauf stand: ,Wir werden erschossen, weil wir \u00fcber die Grenze gehen wollten. So wird es allen ergehen, die gleiches vorhaben.&#8216; Als sie an mir vorbeigef\u00fchrt wurden, sprach ich die Absolution \u00fcber sie und machte das Kreuzzeichen. Ein Partisane sah dies, lachte h\u00f6hnisch auf und sagte mir auf serbisch: ,Pope, ne poma\u017ee im ni\u0161ta&#8216; (,Pfaffe, das n\u00fctzt ihnen nichts&#8216;). Die Opfer mu\u00dften sich ins Massengrab legen, dann krachten einige Sch\u00fcsse, die ihr Leben beendeten. Gleich darauf wurden sie verscharrt. Ich war davon und von der Schwere des ganzen Tages so niedergeschlagen, da\u00df ich diese Nacht kein Auge schlie\u00dfen konnte, trotz der gro\u00dfen Ersch\u00f6pfung, die mich umfangen hielt.&#8220;\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong><br>Kinderheime &#8211; Kinderspit\u00e4ler &#8211; Kindertransporte<\/strong>\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><br>Die Kinder wurden meist schon vor Vollendung des 13. Lebensjahres zur Arbeit eingesetzt. Die j\u00fcngeren Kinder wurden von ihren in den Ortslagern arbeitenden Eltern rigoros getrennt und in die Hungerlager verbracht. Dort versuchte man sie in Kinderbezirken, den sogenannten \u201dKinderheimen&#8220;, zu halten. Auch versuchte man in Gakowa vom 13. bis 16. Januar 1946 die Kinder von ihren Angeh\u00f6rigen zu trennen und in den Kinderheimen &#8211; ger\u00e4umten H\u00e4usern &#8211; eines eigenen Lagerbezirks (Wendelinigasse) zu zernieren &#8211; wie immer unter Androhung der Todesstrafe. Gelegentlich wurde die Drohung,\u00a0 wie schon berichtet, wahr gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Die Kinder stellten einen au\u00dfergew\u00f6hnlich hohen Anteil der Lagerbev\u00f6lkerung. F\u00fcr Gakowa gibt es keine genaueren Zahlenangaben. Das Banater Vernichtungslager Rudolfsgnad bestand am 30. April 1946 zu 46% aus Buben und M\u00e4dchen unter 14 Jahren. Nimmt man an, da\u00df Mitte 1946 Gakowa 15.000 Lagerinsassen hatte und der Anteil der Kinder bis 14 Jahren ebenfalls 46 % betrug, dann d\u00fcrften in Gakowa an die 7300 Kinder\u00a0 interniert gewesen sein. Bereits im Dezember 1944 waren staatliche Kinderheime eingerichtet worden. Im Fr\u00fchsommer 1946 begann die Einweisung der elternlosen Kinder aus Gakowa in diese Heime. Vorher, im Mai 1946, hatte man Kinder aus dem Lager Kruschiwl nach Gakowa gebracht, wo sie untersucht und mit R\u00f6ntgen durchleuchtet worden waren.<\/p>\n\n\n\n<p><br> Summarisch mu\u00df man festhalten: 40.000 bis 45.000 donauschw\u00e4bische Kinder waren 1945 &#8211; 1848 v\u00f6llig oder vor\u00fcbergehend verwaist. Ihre Eltern waren entweder erschossen worden oder in den Lagern verhungert oder nach Ru\u00dfland verschleppt. Diese Kinder wurden in den Hungerlagern von Gro\u00dfeltern, Geschwistern oder anderen Verwandten betreut. 6000 von ihnen, wenn nicht mehr, \u00fcberlebten die Vernichtungslager nicht.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ersch\u00fctternd auch, was Konrad Gerescher \u00fcber die von Augen- und Hautkrankheiten gezeichnete Kinder im ,,Kinderviertel&#8220; von Gakowa berichtet: \u201e \u2026 Am schlimmsten war es um jene Hautkranken bestellt, bei denen sich die Krankheit schon einem entscheidenden Stadium n\u00e4herte. Die zahllosen Pickel und Beulen auf ihren K\u00f6rpern hinderten und schmerzten sie bei jeder Bewegung so sehr, da\u00df sie Tr\u00e4nen in die Augen bekamen und schnell wieder die bequeme Ruhestellung einnahmen. Andauernd platzte hier und da eine der Beulen und entleerte den hellgelben Eiter \u00fcber die Haut. Da man den Eiter nicht abwusch und auch nicht daran dachte, die Wunde zu verbinden, kam Dreck und Staub dazu und das ganze wurde im Laufe der Zeit zu einer Kruste, die das scheu\u00dfliche Aussehen des betreffenden Kindes noch steigerte\u2026 So sa\u00dfen die Ungl\u00fccksw\u00fcrmer eben da, gemieden und verlassen von den anderen, kratzten sich hin und wieder und schauten den \u00fcbrigen Kindern beim Spielen zu.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p> &#8222;Wurden die Kinder krank&#8220;, schreibt Paul Pfuhl,\u00a0 &#8222;kamen sie in die sogenannten Kinderspit\u00e4ler. Man mache sich aber von diesen ,Spit\u00e4lern&#8216; keinen falschen Begriff. Es waren darin wohl Betten, aber viel zu wenige, so da\u00df oft im gleichen Bett drei bis vier Kinder liegen mu\u00dften. Diese Kinderspit\u00e4ler boten wohl den traurigsten Anblick im ganzen Lager. Bis auf Haut und Knochen abgemagert, lagen die Kinder in den Betten, oft zu schwach, um zu rufen, selbst ihr Weinen war kein kindert\u00fcmliches Weinen, die Blicke voll stummer Trauer und Leid, dem Blick eines verwundeten Tieres \u00e4hnlich, eine einzige Anklage des Unrechts, das ihnen angetan wurde. Man mu\u00dfte sich hart machen, um dort ohne Tr\u00e4nen hinausgehen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Nach den Todesmonaten des ersten Internierungsjahres begannen die Beh\u00f6rden die Kinder zu Kindertransporten zusammenzustellen und in die staatlichen Kinderheime einzuweisen. Das erste Ziel war Alt-Kanischa in der Batschka. Hier versuchte man die Kinder gesundheitlich einigerma\u00dfen wiederherzustellen. Dann erst wurden sie auf Erziehungsheime in allen Teilrepubliken verteilt und einem Umnationalisierungsprogramm unterworfen. Eine Reihe internierter Frauen, die als Pflegerinnen in den \u201dKinderheimen&#8220; Dienst taten, mussten die Kinder in Erziehungsheime begleiten. Von Gakowa sind viermal Kindertransporte abgegangen, wie Kaplan Mathias Johler in seinem Tagebuch nachweist.<\/p>\n\n\n\n<p><br>In der Eintragung vom 21. Juli 1946: \u201eSonntag. Kein Kirchgang. Aber statt der hl. Messe hielten wir wieder Anbetungsstunde mit Sakramentenempfang in Lagerh\u00e4usern in zwei verschiedenen Quartieren. Besonders ergreifend war die Kommunion der Kindergruppen die voraussichtlich bald verschleppt werden. Bis\u00a0 3\/4 12 Uhr warteten an einer Stelle solche Kinder auf die &#8211; vielleicht letzte &#8211; hl. Kommunion.\u201d\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong> Lager\u00e4rzte und Spit\u00e4ler: Heroismus der Vergeblichkeit\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><br>Am 25. November 1945, notiert\u00a0 Johler in sein Tagebuch: \u201dSchon einige Tage ungesunde, na\u00dfkalte Witterung. Die Krankenzahl steigt von Tag zu Tag. Nach einer Sch\u00e4tzung des Arztes liegen nun so 2000 Kranke und Gebrechliche, die der Pflege bed\u00fcrften. Es ist keine Seltenheit, da\u00df man in H\u00e4user kommt mit zehn, zw\u00f6lf Kranken in einem Zimmer. Dazu noch w\u00fctet Typhus unbarmherzig. Der Lagerapotheker ist gestorben, und der Arzt liegt auch schwer krank. Mit etwas Arznei kann ich mancherorts doch die Not lindern. Hilfsmittel und Hilfskr\u00e4fte w\u00e4ren nun schon dringend notwendig. Die Not ist buchst\u00e4blich zu einem Meer geworden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Johler schreibt am 12. Februar 1946 in sein Tagebuch: ,,Der Lagerarzt Dr. Scherer hat seinen Rundgang beendet, bei dem er von Haus zu Haus s\u00e4mtliche ,spitalbed\u00fcrftigen&#8216; Kranken zusammenschrieb. Ihre Zahl ist 1300! Nun wurde ein Teil des Dorfes evakuiert, und alle Kranken m\u00fcssen dort untergebracht werden. &#8211; Heute war der Tag des gro\u00dfen Krankentransportes. Das war eine herzzerrei\u00dfende V\u00f6lkerwanderung durch die Dorfstra\u00dfen. An meinem Fenster ziehen Unz\u00e4hlige vorbei, und ich bin gezwungen, dem Ganzen unt\u00e4tig zuzuschauen! Gef\u00fchrt und geschoben, gesto\u00dfen und getrieben werden sie, je nachdem. Manche mit Polstern, manche mit Decken, viele auch ohne irgendwas. Und dort im ,Spital&#8216; wartet ihrer ein Strohlager, sonst nichts. &#8211; Welche Bilder bieten sich da dem Menschen nur im kleinen Blickfeld vom Fenster aus und in der kleinen Weile, wo ich die traurige Prozession betrachte! &#8211; Soeben wird ein alter, abgemagerter Mann auf dem Schubkarren vorbeigefahren. R\u00fccklings sitzt er drauf, den Kopf \u00fcber die Lehne, den Mund halb offen, die F\u00fc\u00dfe schleifen auf der Erde, die H\u00e4nde h\u00e4ngen beiderseits hinunter, nur wenn es zu sehr hoppelt, hebt er die eine, als bitte er, man m\u00f6ge Halt machen, aber man f\u00e4hrt weiter. Wahrscheinlich wird man schon morgen oder \u00fcbermorgen wieder denselben Mann auf den Schubkarren laden und wieder fahren &#8211; nur eine andere Richtung: dem Friedhof zu! \u2026&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><br>Erst mit der Auslieferung von DTT Anfang M\u00e4rz 1946 wurde man der Flecktyphusepidemie verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig rasch Herr. Die Anzahl der Sterbef\u00e4lle in Gakowa reduzierte sich im Laufe des April 1946 auf 15 bis 20 pro Tag. An solche Zahlen gew\u00f6hnte man sich f\u00fcr etwa ein Jahr.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ab 1947 wurden die \u201dSpit\u00e4ler&#8220; zu Sterbeh\u00e4usern. Sie beherbergten meist nur mehr jene, die der Hoffnungslosigkeit und Apathie verfallen waren, weil sie nicht hatten fl\u00fcchten k\u00f6nnen wie die vielen anderen. Ab Mai 1947 betreute Kaplan Paul Pfuhl diese Sterbeh\u00e4user. Da\u00df es nicht nur Resignation in diesen Spit\u00e4lern gab, sondern auch Anklage gegen Gott, zeigt sein Bericht:\u00a0 \u201dEin Fall steht mir noch ganz lebendig vor Augen. Da lag eine Frau auf einem Bett im Hausgang &#8211; es war Sommer -, ich fragte sie, ob sie nicht beichten wolle, denn man kann ja nicht wissen, was kommen werde. Schroff wies sie mich ab: Sie h\u00e4tte nichts zu beichten. Als ich ihr zuredete, da\u00df wir doch alle S\u00fcnden h\u00e4tten und die Verzeihung Gottes brauchten, kam es hart \u00fcber ihre Lippen: ,Mir hat Gott nichts zu verzeihen, h\u00f6chstens habe ich ihm zu verzeihen.&#8216; Alles Bem\u00fchen und g\u00fctliche Zureden fruchtete nichts. Auch sp\u00e4ter nicht, als ich sie noch einige Male besuchte. In Verbitterung ist sie gestorben&#8220;.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Wei\u00dfe&#8220; und &#8222;schwarze&#8220; Flucht\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bis in den Sommer 1946 hinein war die Flucht aus Gakowa ein lebensgef\u00e4hrliches Unterfangen. So berichtet Johann\u00a0 Hebel aus Gakowa, der die ganze Lagerzeit \u00fcber als Totengr\u00e4ber besch\u00e4ftigt war, von mi\u00dflungenen Fluchtversuchen:<br> \u201dWenn Leute beim ,Durchgehen&#8216; erwischt wurden, dann hat der Partisan sie schon an der Grenze erledigt. Und auch von dort haben wir viele mit dem Wagen abgeholt und im Lagerfriedhof beerdigt. Einmal handelte es sich um eine Frau und einen Mann und ihren 8-10 Jahre alten Jungen. Die Eltern waren totgeschlagen, und dem Kind war mit dem Bajonett von unten bis oben der Leib aufgeschlitzt, so da\u00df die Ged\u00e4rme heraushingen. Ich habe sie an der Tracht erkannt: sie waren von Stanischitz.&#8220;<br> Die ,schwarzen&#8216; F\u00fchrungen wurden immer unter der Gefahr, erwischt zu werden, durchgef\u00fchrt. Sie hatten aber den Vorteil, da\u00df man mit weniger Geld auch eine Chance hatte, aus dem Lager zu kommen. Wenn solch ein Transport erwischt wurde, kamen die Fl\u00fcchtenden f\u00fcr einen oder mehrere Tage in den Keller und konnten es sp\u00e4ter wieder versuchen. Einige mir bekannte Leute machten bis zu achtmal den Versuch, bis es ihnen gelang, wegzukommen.<\/p>\n\n\n\n<p> Ab Sommer 1946 wurde die \u201dschwarze&#8220; Flucht, d. h. eine solche, die ohne Wissen der Lagerleitung unternommen wurde, geduldet. Ab Ende 1946 gab es auch die \u201dwei\u00dfe&#8220; Flucht, die im Einvernehmen mit der Lagerleitung oder doch einzelner Wachen vonstatten ging. Manche Kommandanten sicherten sich dabei ein Kopfgeld. Ab Sp\u00e4tjahr 1947 wurde die \u201dwei\u00dfe&#8220; Flucht eingestellt, die \u201dschwarze&#8220; zusehends erschwert. Insgesamt d\u00fcrften es gegen 16 Monate gewesen sein, in denen die Flucht toleriert wurde oder aber einem Abschub der Lagerleute \u00fcber die Grenze gleichkam. F\u00fcr die Donauschwaben Jugoslawiens wurde das Jahr 1947 das Hauptfluchtjahr. Dabei spielte die ,,Durchl\u00e4ssigkeit&#8220;\u00a0 der Lager Gakowa und Kruschiwl die Hauptrolle. Insgesamt d\u00fcrften 30-40000 Donauschwaben nach Ungarn und Rum\u00e4nien entkommen sein. Die halbe Zeit seines Bestandes hindurch war demnach das Lager Gakowa f\u00fcr Entschlossene gewisserma\u00dfen von einer ,,Durchl\u00e4ssigkeit mit erh\u00f6htem Risiko.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p> Ein Beispiel f\u00fcr jene namenlosen Trag\u00f6dien, die sich auf den heimlichen, aus den Todeslagern in die Freiheit f\u00fchrenden Wegen abspielten, wei\u00df auch Hebamme Katharina Schaag von ihrem letzten, dem gelungenen Fluchtversuch zu berichten, der sie nach Gara in Ungarn f\u00fchrte: ,,Nach einigen Tagen begegnete mir dort eine Frau aus Tscherwenka. Wir sprachen \u00fcber unsere Flucht. Sie erz\u00e4hlte mir, da\u00df sie \u00fcber einen Graben gegangen sei mit zwei Kindern. Eines war zwei, das andere f\u00fcnf Jahre. Das j\u00fcngere trug sie in einem Rucksack, den \u00e4lteren trug sie auf dem Arm. Sie mu\u00dften \u00fcber ein schmales Brett den Kanal \u00fcberqueren. Ein alter Mann ging ihr voraus sie aber fiel vor lauter Aufregung in das Wasser, und als sie herauskam, war das Kind nicht mehr im Rucksack. Sie konnte aber nicht nach dem Kind suchen, denn sie mu\u00dfte gleich weitergehen, damit die anderen nicht noch einmal zur\u00fcckgeholt w\u00fcrden . . . Der Name der armen Mutter ist mir nicht mehr in Erinnerung.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Titoregime war offenbar froh, wenn m\u00f6glichst viele \u00fcber die Grenze entkamen, doch zeigten sich die Beh\u00f6rden in S\u00fcdungarn immer weniger bereit, Fl\u00fcchtlinge \u00fcber die Grenze zu lassen. Die ungarische Gendarmerie machte eine Gro\u00dfrazzia auf Fl\u00fcchtlinge und brachten, wie etwa Paul Mesli in einem aufregenden Bericht zu schildern wei\u00df, eine gro\u00dfe Zahl von ihnen, die schon in der Eisenbahn unterwegs Richtung \u00d6sterreich waren, wieder an die Grenze zu Jugoslawien. Es entstand in der Nacht des 9. Juni 1947 eine menschenverachtende Treibjagd \u00fcber die Grenze und wieder zur\u00fcck, weil die jugoslawischen Grenzer nicht mehr bereit waren, Fl\u00fcchtlinge zur\u00fcckzulassen. Bevor man sie schlie\u00dflich doch nach \u00d6sterreich abschob, wurden die Gejagten in der Kaserne von K\u00f6rmend vom ungarischen Milit\u00e4r nochmals ausgepl\u00fcndert. Letzte Schmuckst\u00fccke, das Geld und die besseren Kleider blieben in Ungarn\u00a0zur\u00fcck.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Geheime Seelsorge\u00a0<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Vom\u00a0 5. M\u00e4rz bis zum 4. April 1946 sorgte Jesuitenpater Wendelin Gruber f\u00fcr die Seelsorge. Er erreichte in einer Aussprache mit dem Schutzo, dem Lagerkommandanten, da\u00df die Lagerleute nach Erf\u00fcllung der Tagesnorm und sonstiger Arbeitspflichten am Sonntagabend in die Kirche gehen d\u00fcrfen. Ihm selbst wurde zwar das Abhalten eines Gottesdienstes und jede Predigt verboten, Gruber hielt sich aber nicht daran. Am 24. M\u00e4rz feierte er mit die Eucharistiefeier. Die Kirche war zu klein, auch drau\u00dfen dr\u00e4ngten sich die Lagerleute. Die Glocken erklangen, sogar die Orgel spielte. In seiner Predigt erinnerte\u00a0 P. Gruber an das Fest Mari\u00e4 Verk\u00fcndigung und tat mit den Lagerleuten das weitum bekanntgewordene Gel\u00f6bnis, die Donauschwaben wollten im Falle ihres \u00dcberlebens aus Dankbarkeit nach V\u00e4tersitte j\u00e4hrlich eine Wallfahrt machen und im Falle des Wiedererhalts des heimatlichen Hab und Guts eine Wallfahrtskirche zu Ehren der Muttergottes errichten.\u00a0 Die seit 1961 j\u00e4hrlich stattfindende Donauschwabenwallfahrt nach Alt\u00f6tting geschieht in Einl\u00f6sung dieses Gel\u00f6bnisses.<br> Vom 1. April 1946 bis zum 26. Mai 1947 bleibt dann Johler durchgehend in Gakowa als Seelsorger t\u00e4tig. Einigerma\u00dfen genesen, bem\u00fchte sich Pfuhl, um die religi\u00f6se Betreuung der Lagerleute zu sichern, bei Bischof Budanovic in Subotica, um das Amt eines Administrators der Pfarre Gakowa. Dieses wurde ihm am 26. Februar 1946 gew\u00e4hrt. Da\u00df die beiden \u00fcberhaupt in Gakowa wirken k\u00f6nnen, beruht auf einer jener Unw\u00e4gbarkeiten, die die neue Verwaltung in der etwas chaotischen Phase der Konsolidierung des neuen Regimes kennzeichnet.<br> Johler hat mit seinem Tagebuch die \u201dChronik der au\u00dfergew\u00f6hnlichen Seelsorge&#8220; verfa\u00dft, Pfuhl hat sie durch seinen Bericht \u00fcber die Geschichte des Lagers Gakowa bestens erg\u00e4nzt. Beides sind authentische Hauptquellen \u00fcber die Endphase der donauschw\u00e4bischen Passion. Die Besonderheit der Lagerseelsorge der beiden liegt im z\u00e4hen Festhalten an der Eucharistiefeier &#8211;\u00a0 auch au\u00dferhalb der Kirche -, in der erfinderischen Krankenpastoral, in der Einf\u00fchrung eigener Kindergottesdienste, in der Heranziehung von Seelsorgshelfern\/innen, wie man heute sagen w\u00fcrde, schlie\u00dflich auch im unverdrossen gehandhabten Versuch, die Kinder durch Katecheten\/innen religi\u00f6s und durch Lehrer profan zu unterrichten. Alles in allem ein wahrhaft heroisches Unternehmen, eine Pastoral der Verfolgungszeit.<br> Bald versucht die Lagerleitung, die Seelsorge in Gakowa zu unterbinden. Am 15. Januar 1946 ergeht das erste Verbot, priesterlich zu wirken. Am 30. Juni 1946 folgt ein strengeres. Es wird gelegentlich offen nicht befolgt, dann wieder durch eine heimliche Seelsorge unterlaufen. Der Erstkommunion-Unterricht ist so gut organisiert, da\u00df die Lagerf\u00fchrung die unterrichtenden Priester kein einziges Mal sozusagen auf frischer Tat ertappte. Am 30. Oktober werden auch die beiden Gakowaer Seelsorger in das Lager geworfen, sie m\u00fcssen aber erst am 28. Dezember 1946 das ihnen im Pfarrhaus verbliebene Zimmer r\u00e4umen.<\/p>\n\n\n\n<p>25. April 1946. Erstkommunionunterricht nimmt die meiste Zeit in Anspruch. Auf acht Gruppen werden bis zu 500 Kinder unterrichtet. Dies allein ist schon eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Gnade f\u00fcr unser Volk. Wird es sich solcher Gnaden auch w\u00fcrdig erweisen?<\/p>\n\n\n\n<p>28. April 1946. Heute war die erste Kindermesse. Ein Werk des P. Gruber. Obwohl wir unser Vorhaben nur bei den Kindergruppen bekanntgegeben haben, waren 1150 Kinder zur hl. Messe gekommen. Ein herrlicher Erfolg des guten Paters! Von nun an halten wir jeden Sonntag um 9 Uhr eine eigene Kindermesse.<\/p>\n\n\n\n<p>19. Mai 1946. Erstkommunion. Insgesamt traten diesmal 471 Kinder zum ersten Mal zum Tisch des Herrn. Der Vorbereitungsunterricht wurde durchwegs in Lagerh\u00e4usern geheim und unauff\u00e4llig gegeben. An diesem Tag aber kamen alle Kinder, wohl schlicht gekleidet, aber mit Blumen geschm\u00fcckt, zur Kirche. Gebet und Gesang war erhebend. Die Bescherung nachher reichlich. Wenigstens drei Fuhren Kipfel und Semmeln. Verschiedene Ortschaften von Subotica bis Bogojevo haben freudig dazu beigetragen. Es war dies, wie P. Gruber sagte, ein wahres Wunder der christlichen N\u00e4chstenliebe.<\/p>\n\n\n\n<p>21. Mai 1946. Fast in jedem Haus wird in irgendeiner Form die Mai-Andacht gehalten. Des \u00f6fteren ruft man auch uns Priester hierher und dorthin, die Mai-Andacht zu halten. Oft sind diese Abendstunden recht ergreifend.<\/p>\n\n\n\n<p>10. Juni 1946. Wir haben nun auch die zweite Gruppe von Erstkommunionkindern zum Unterricht erfa\u00dft. Es sind ihrer etwas \u00fcber 200. Das sind solche Kinder, die bisher entweder nicht beim Unterricht waren oder sich zu schwach erwiesen hatten.<\/p>\n\n\n\n<p>28. Juni 1946. Herz-Jesu-Fest. In einem Haus der Hauptgasse hielten wir die Schlu\u00dfandacht. Alles \u00fcberf\u00fcllt. Die Fenster mu\u00dften ge\u00f6ffnet werden. Ich verlie\u00df sofort nach der Andacht das Haus. Das Schlu\u00dflied erscholl weit \u00fcber die Gasse. Ich gehe drau\u00dfen an einem etwa F\u00fcnf- bis Sechsj\u00e4hrigen vorbei. Die Singlust hat allem Anscheine nach auch ihn hier drau\u00dfen erfa\u00dft. Aber was er singt, ist: ,Mi smo mladi partizani&#8216; (Wir sind die jungen Partisanen). Die Mutter singt drinnen vielleicht das Herz-Jesu-Lied, und der Kleine drau\u00dfen singt das Partisanenlied!<\/p>\n\n\n\n<p>30. Juni 1946. Heute wurde uns nun zum zweiten Male unser priesterliches Wirken f\u00fcr die Lagerleute untersagt. Von morgen an darf niemand von den Lagerleuten mehr in die Kirche. Die Begr\u00fcndung lautet: ,Die Leute sollen sp\u00fcren, da\u00df sie im Lager sind.&#8216; \u2026\u2026<br>Einige Tage hindurch halten wir nun Erstkommunionfeier vormittags und nachmittags ganz still und unauffallig hier im Pfarrhaus. Es sammelt sich immer eine Gruppe von 20 bis 25 Kindern. Sie kommen einzeln, unauff\u00e4llig durch die G\u00e4rten und Kukuruzfelder. Aber auffallend ist der Ernst und die Andacht dieser Kinder, Katakombengeist durchweht jede dieser Andachtsstunden\u2026\u2026.<\/p>\n\n\n\n<p>27. Iuli 1946. Unsere Hauptbesch\u00e4ftigung ist auch weiterhin der Kinderunterricht. Mit sieben bis acht Hilfslehrkr\u00e4ften gelang es uns nun schon einige Monate hindurch, Hunderte Kinder regelm\u00e4\u00dfig zu unterrichten. Auch Rechnen und Naturkunde und Gesundheitslehre wird nun betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>15. September 1946. Wir Priester d\u00fcrfen uns nirgends mehr sehen lassen. Die Sonntagsandachten wurden aber trotzdem gehalten; unsere Hilfslehrerinnen haben sie organisiert und geleitet. Auch in Zukunft wird es wohl so sein m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>27. Oktober 1946. Schon lange erlebten wir keine so tiefgreifende Priesterfreude wie heute: das Christk\u00f6nigsfest im Lager! \u2026\u2026.. Wir selber konnten mit keinem Fu\u00df aus dem Hause, aber wir konnten Material, Skizzen, Anregungen, Vorlagen und Programme geben, so da\u00df unsere Hilfslehrerinnen zwei Wochen hindurch alles vorbereiteten und organisierten. Mehrere hundert Kinder arbeiteten mit wahrem Feuereifer daran, bis jedes von ihnen ein Geschenk f\u00fcr Christus den K\u00f6nig fertiggestellt hatte, \u2026.\u00a0 Bei der eigenen Feierstunde f\u00fcr die Erwachsenen weihten sich alle St\u00e4nde: Kinder, Jugend, Frauen und M\u00e4nner, dem G\u00f6ttlichen K\u00f6nig. Ja, Seine Macht ist diesen Leuten verborgen, Seine Liebe jedoch nicht!<\/p>\n\n\n\n<p>30. Oktober 1946. Pfuhl ist zur\u00fcck. Das Verh\u00f6r beim Lagerkommando war allerdings sehr kurz. Wir wurden blo\u00df gefragt, was wir der Nationalit\u00e4t nach seien. Als wir erkl\u00e4rten, wir seien Deutsche, wurde uns der Haftbefehl von seiten des Izvr\u0161ni Odbor &#8211; Novi Sad verlesen. Hiermit sind wir also ins Lager geworfen.\u201c\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Tod im Lager Gakowa &#8211; Erlebnisbericht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein Erlebnisbericht aus dem Buch \u201eNachruf auf verlorene Jahre\u201c. Das Buch hat Frau Anna Niklos geschrieben, die im Burgenland lebt. Sie stammt aus Sentiwan in der Batschka, einem Teilgebiet der Provinz Wojwodina im heutigen Serbien. Sie kam als 16j\u00e4hrige in ein Arbeitslager und war zwischendurch im Todeslager Gakowa, das erst Anfang 1948, also vor 60 Jahren, aufgel\u00f6st wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich merkte, dass in dem Haus, in dem ich nun untergebracht war, eine traurige Stimmung herrschte. Allm\u00e4hlich erfuhr ich den Grund. Neben unserem Zimmer befand sich eine kleine Kammer, in der eine Mutter mit ihren drei Kindern unter\u00adgebracht worden war. Die vier, die zwei \u00e4lteren M\u00e4dchen, der kleine Bub und die Mutter, hatten gerade Platz in der Kammer. Einige Wochen ging alles gut, dann aber erkrankte pl\u00f6tzlich das \u00e4lteste der Kinder, das M\u00e4dchen mit elf Jahren. Ihre Krankheit dauerte nicht lange. Nach zwei Tagen lag das M\u00e4dchen wie schlafend auf seinem Strohlager und r\u00fchrte sich nicht.<br> Etwas vom Schrecklichsten im Lager Gakowa ist, so erz\u00e4hlte mir Lissi, meine Freundin, dass man den Kranken nicht helfen kann. Es gibt hier keinen Arzt und keine Medikamente.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Mutter betete und weinte, das Kind aber lag ganz ruhig da, man merkte blo\u00df, dass sein K\u00f6rper hohes Fieber hat\u00adte. Wie bei allen Kranken hier musste man zusehen, bis der Tod das Kind erl\u00f6ste.<\/p>\n\n\n\n<p>Kaum war der Leichnam weggebracht &#8211; bei der herrschenden Hitze mu\u00dfte das sehr schnell gehen &#8211; da wurde das zweit\u00e4lteste Kind krank. Verzweifelt und halb wahnsinnig vor Schmerz und Leid lief die Mutter im Lager umher und bettelte um etwas Essbares. Die K\u00f6chin gab ihr jeden Tag einen Sch\u00f6pfl\u00f6ffel Suppe mehr, es war aber alles umsonst, der Tod holte auch ihr zweit\u00e4ltestes Kind, ein siebenj\u00e4hriges M\u00e4dchen. Die Mutter schrie und weinte, bis sie nicht mehr konnte. Der seelische Schmerz und das Austeilen ihrer Ration an die Kinder hatten sie so geschw\u00e4cht, dass die Zimmernachbarinnen glaubten, sie w\u00fcrde den n\u00e4chsten Tag nicht mehr erleben.<\/p>\n\n\n\n<p>Als aber der Leichenwagen das Kind abholte, begleitete die Mutter ihr totes Kind bis zum Dorfende. Ihr kleiner Sohn lag indessen in der Kammer und wartete auf seine Mutter. Sp\u00e4t am Nachmittag kam die Frau v\u00f6llig ersch\u00f6pft zur\u00fcck. Zwei Tage konnte sie nicht aufstehen. Sie hatte aber noch ein Kind, sie durfte nicht aufgeben, und so gelang es ihr doch, sich nochmals zu erholen. \u2026Von meinem Strohlager aus konnte ich gerade in ihre Kammer se\u00adhen, da die Zwischent\u00fcren der Zimmer ausgeh\u00e4ngt worden waren. Ich beobachtete die Frau fortab jeden Tag, wie sie in ihrer Kammer betete. Wo nahm diese Frau nur die Kraft her, fragte ich mich wiederholt.(.. ) Der eine oder andere Tag verging, da kam die junge Frau aus ihrer Kammer. Sie war ausgetrocknet wie eine Blume, die kein Wasser bekam, und schaute uns aus todtraurigen Augen an. Mit leiser Stimme sagte sie:<br> \u201eKinder, rettet euch, wenn ihr k\u00f6nnt. Nur raus hier aus dieser Schlangengrube, ehe es zu sp\u00e4t ist. Vielleicht gelingt es euch zu \u00fcberleben. Unser Herrgott soll euch beistehen. F\u00fcr meine Kinder kommt jede Hilfe zu sp\u00e4t.&#8220;<br> Sie schaute in die Richtung der Kammer, in der ihr j\u00fcngstes und liebstes Kind lag. Der Bub lag ganz bleich und schon vom Tod gezeichnet auf dem Strohlager. Gerne h\u00e4tten wir ein tr\u00f6stendes Wort gesagt, es fiel uns aber keines mehr ein. Zu viele liebe Menschen hatte diese Frau schon verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eIch wei\u00df schon gar nicht mehr, f\u00fcr wen ich zu allererst beten, trauern oder weinen soll; f\u00fcr meinen lieben Mann, der gefallen ist, f\u00fcr meine Eltern, Gro\u00dfel\u00adtern und Geschwister, die alle hier im Lager gestorben oder verhungert sind, oder f\u00fcr meine Kinder.<\/p>\n\n\n\n<p>Was hat der Herrgott mit mir vor? Habe ich nicht schon genug gelitten? Muss ich mein letztes Kind auch noch hergeben?&#8220;<br> Sie wankte zur\u00fcck in ihre Kammer und kniete sich neben den todkranken Knaben. Wir standen in unse\u00adrem Zimmer und weinten. Wenn Tr\u00e4nen des Mitleids helfen k\u00f6nnten, gesund zu werden, w\u00e4re der kleine Bub sicher nicht gestorben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir h\u00f6rten, wie das Kind st\u00f6hnte, und ich konnte lange nicht einschlafen. Es muss sehr zeitig in der Fr\u00fch gewesen sein, als ich erwachte. Alles ringsum lag noch in tiefem Schlaf. Mein Blick fiel in die angrenzende Kammer. Der am Boden liegende Bub hatte die H\u00e4nde gefaltet. Ich wusste, was das bedeutete.<\/p>\n\n\n\n<p>Das dritte Kind dieser Frau war also auch gestorben. Sie aber hatte niemanden geweckt, sie hatte allein gewacht und gebetet. In diesem Augenblick sah ich, wie sie sich niederkniete, ihren Blick zur Zimmerdecke richtete und anfing laut zu re\u00adden. War sie irr geworden? Ihre Stimme h\u00f6rte sich dem\u00fctig an:<br> \u201eHerr, alle meine Lieben hast du zu dir genommen. Ich hoffe, da\u00df du auch mich nicht vergisst. Lass mich nicht lange warten, ich bin bereit zu sterben. Nur eine Bitte habe ich: Wenn Tito einmal stirbt, dann lass die armen Seelen aller, die auf seinen Befehl zu Tode gemartert wurden und in den Lagern verhungert sind, an seinem Sterbebett vor\u00fcberziehen, mich mit meinen drei Kindern zuletzt. Erst dann soll er sterben.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ganz pl\u00f6tzlich stand sie auf und ging mit leisen Schritten durch unser Zimmer hinaus. Sie w\u00fcrdigte mich keines Blickes, ich w\u00e4re ohnehin unf\u00e4hig gewesen, ihr etwas Tr\u00f6stliches zu sagen, so sehr war ich ergriffen. In unserem Zimmer waren alle aufgestanden, nachdem ich sie geweckt hatte, und nahmen Abschied von ih\u00adrem j\u00fcngsten Lagerkameraden. Da kam auch schon der Leichenwagen, die Frau hatte die Burschen, die die Toten zu sammeln hatten, verst\u00e4ndigt. Wie bei ihren zwei ersten Kindern ging sie stumm hinter dem Wagen her.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach l\u00e4ngerer Zeit kam sie ersch\u00f6pft und v\u00f6llig am Ende ihrer Kr\u00e4fte zu uns zu\u00adr\u00fcck. Ohne etwas von der ohnehin erb\u00e4rmlichen Lagerkost zu essen ging sie in ihre Kammer, legte sich auf ihr Strohlager und sagte kein einziges Wort mehr. Einige Frauen versuchten sie zu tr\u00f6sten und aufzurichten. Sie redeten ihr gut zu, damit sie etwas a\u00df. Eine der Frauen meinte:<br> \u201eDu bist noch so jung. Mit drei\u00dfig Jahren darf man noch nicht aufgeben. Die Lagerzeit wird nicht ewig dauern.&#8220;<br> Es war alles umsonst. Offenbar hatte die junge Frau ihr letztes Gespr\u00e4ch mit dem Allm\u00e4chtigen gef\u00fchrt, seither schwieg sie. Am sp\u00e4ten Nachmittag wollte eine Frau aus ihrem Dorfe sie aufsuchen. Sie fand die junge Mutter tot auf ihrem Strohlager liegen. Wir im Nachbarzimmer hatten sie nicht weiter bel\u00e4stigen wollen und hatten angenommen, sie w\u00fcrde schlafen. Still wie ihre Kinder war sie von uns gegangen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDer Herrgott hat sich ihrer erbarmt&#8220;, meinte die Frau aus ihrem Dorfe, als sie ging, \u201esonst w\u00e4re sie vielleicht vor Schmerz wahnsinnig geworden.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Es waren f\u00fcr alle, besonders aber f\u00fcr uns J\u00fcngere, uns\u00e4glich traurige Ereignis\u00adse. Tagt\u00e4glich war mir hier in Gakowa der Tod begegnet. Immer wieder sah ich die Toten und ihre trauernden Angeh\u00f6rigen vor mir, und allm\u00e4hlich \u00fcberkam mich die Vorstellung, ich w\u00fcrde dies alles mein ganzes Leben lang nicht mehr vergessen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>Lit. Anna Nyari-Niklos, Nachruf auf verlorenen Jahre, Karlsruhe 1991. Eine Heimatvertriebene erz\u00e4hlt. Hrsg. von der Heimatortsgemeinschaft Batschsentiwan, Karlsruhe 1991, S. 92-94,<br> Abgedruckt auch in: Arbeitskreis Dokumentation,\u00a0 Leidensweg der Deutschen im kommunistischen\u00a0 Jugoslawien, Band III: Erschie\u00dfungen-Vernichtungslager-Kinderschicksale, M\u00fcnchen\/Sindelfingen 1995, S. 550ff.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.donauschwaben-ooe.at\/index.php?id=165&amp;L=0%27\">&#8211;>Lesen Sie dies auch auf der Seite der \u00f6sterreichischen Landsmannschaft der Donauschwaben<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Dokumentation von Georg Wildmann Ansiedlungsgeschichte der Donauschwaben Jene deutsche Bev\u00f6lkerungsgruppe, die sich beiderseits der mittleren Donau im pannonischen Zentralraum nach der Befreiung Ungarns von der T\u00fcrkenherrschaft im 18. 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